Arequipa – die wohl schönste Stadt Perus

Arequipa ist nicht nur die zweitgrößte Stadt Perus, sondern auch die schönste. So sagt man jedenfalls. Gut das mit der Größe ist ein Faktum, das mit der Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Aber man muss schon Blind sein um, zumindest den Stadtkern mit seinen Kirchen und alten Gebäuden umgeben von 6000 Metern hohen Vulkanen nicht schön zu finden. Und das mir die Stadt gefällt fand ich nach einer 12 stündigen Nachtfahrt von Nazca im HopHop Bus sehr schnell heraus.

Das Zentrum von Arequipa

Das Hauptplatz in Arequipa

Die Fahrt selber war doof. Die Sitze ließen sich zwar umklappen aber dann hatte die Person hinter einem ein Problem und steckte zwischen Sitz und Rückenlehne fest. Da ich mich in den vergangenen Tagen bereits sozialisiert hatte, gebührte ich Respekt vor der Freiheit meiner Mitreisenden und neigte meinen Sitz nur leicht nach hinten. Gerade soweit, dass der Rücken weh tat, aber nicht weit genug als das man das Gefühl hatte eine Schlafposition eingenommen zu haben. Ich schaute aus dem Fenster und in einen tiefen Abgrund. Der Bus arbeitete sich gerade die Berge hinauf, liegt Arequipa doch auf knapp 2500 Metern Höhe. Der Blick nach draußen bietet somit auch keine wirkliche beruhigende Alternative.

Bleibt nur noch das Boardprogramm. Auf den Bildschirmen läuft in Falschfarben Pulp Fiction. Ich war der einzige der für Borat gestimmt hatte und auch Reservoir Dogs hat das Votum nicht für sich entscheiden können. Ich entscheide mich für eine mir angenehme Geräuschkulisse aus meinen Kopfhörer gepaart mit Szenen aus Pulp Fiction. Was mitunter zu sehr amüsanten Überschneidungen führt, wenn Uma Thurmann und John Travolta in Jack Rabbits Slim zu Accept und Exploited das Tanzbein schwingen. Gegen 2400 Uhr endet auch diese Spektakel und alle Reisenden versuchen die nächsten Stunden eine bequeme Schlafposition zu finden. Was per Beweis nicht möglich ist und auch keinem so recht gelingt. Ich begnüge mich mit dem Abgrund zu meiner Rechten und Döse in einem halbstündigen Rhythmus immer wieder die Wachposition ändernd vor mich hin.

Ungefähr 12 Positionswechsel später sind wir in Arequipa angekommen und ich leere im Hostel eine ganze Kanne Kaffee während ich darauf warte mein Zimmer beziehen zu können. Als ich es dann Nachmittags endlich in die Stadt schaffe reibt mir die Schönheit der Stadt den Schlaf aus den Augen. Richtig knuffig ist es hier. Die Sonne scheint und es ist warm. Die Leute sind extremst freundlich und begnügen sich mit den paar Brocken Spanisch die ich ihnen anzubieten habe und geben mir meistens das von mir Gewünschte.

In den Gassen von Arequipa

In den Gassen von Arequipa

Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist neben einem weiblichen Ötzi und eingen Kirchen das Kloster Santa Catalina. Kirchen betrette ich aus Prinzip nicht, aber beim Kloster mach ich eine Ausnahme. Ist es doch einzigartig in Südamerika, sagt mein Reiseführer.

Das Kloster liegt mitten in der Stadt und bildet mit seinen 25000 m2 eine Stadt in der Stadt. Zu Hochzeiten lebten hier an die 300 Nonen. Heute sind es noch knapp 25. Nur die Töchter der reichsten spanische Familien mit tadellosem Leumund durften auf eine Aufnahme hoffen bzw. bangen. Das Kloster selbst ist in einem sehr guten Zustand.

Einer von insgesamt drei Kreuzgängen.

Einer von insgesamt drei Kreuzgängen.

Man kann sich innerhalb der hohen Klostermauern, welche die Nonnen vor den Verlockungen der Außenwelt schützen sollten, frei bewegen und bekommt einen sehr guten Eindruck von dem Leben im Kloster.

Scheint als hätten die Nonnen sich noch ein wenig Humor bewahrt und sich Streiche gespielt.

Scheint als hätten die Nonnen sich noch ein wenig Humor bewahrt und sich Streiche gespielt.

Ich bekomme allerdings vor allem den Eindruck das es sich um einen besseren Knast handelt, in dem Leute an unsichtbare Dinge glauben und ihr Leben, die Nonnen haben das Kloster nie verlassen, einem sag wir mal für mich nicht nachvollziehbaren Dingsbums widmen. Mal ehrlich ich als Tochter aus bestem und unsagbar reichem Hause wäre mal so richtig angepisst gewesen wenn meine Eltern mich in diese Welt der sinnlosen Entsagungen geschickt hätten. Aber gut, bin ja kein Spanier und jeder soll machen was er will. Ich will nach der Besichtigung des xten Zimmers und offener Küche langsam wieder hier raus.

Luxus im Namen des Vaters.

Luxus im Namen des Vaters.

Die Küche, fast immer der größte Raum mit allem was man so braucht.

Die Küche, fast immer der größte Raum in der Einliegerwohnung.

Ist es doch zu deprimierend zu sehen wozu vermeintlich denkende Menschen fähig sind. Zudem unterscheiden sich die Zimmer, die wie Eigentumswohnungen von einer Nonne an die andere verkauft wurden, nur durch Kleinigkeiten wie z.B. ein Eisenkreuz in der Ecke oder einer Petroleumlampe auf dem Tisch.

Auf einer Dachterrasse am Hauptplatz beende ich den Tag mit einem leckern Kaffee und mach mich wieder auf in mein Hostel und beschließe einige Tage hier zu verbringen. Das es am Ende über eine Woche sein wird ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Hier kann man es prima aushalten.

Hier kann man es prima aushalten.

Am nächsten Tag scheint wieder die Sonne, es ist übrigens das erste mal während meiner Reise das die Sonne an vier Tagen hintereinander vom wolkenlosen Himmel strahlt. Zwei Tage waren bisher schon eine willkommene Ausnahme. Das macht mir Arequipa noch viel sympathischer. Zudem spürt man die Sonne in diesen Höhenlagen auch intensiver.

Auf der Suche nach Tieren, Menschen, Sensationen in Arequipa findet sich auf Platz zwei bei Tripadvisor eine Kockkurs, welcher einem die Spezialitäten des Landes näher bringt. Ich hatte in Lima schon vergeblich versucht einen Kochkurs zu buchen, aber da hatte sich mein Hostel gerade mit dem Koch verstritten. Der Kochkurs findet zudem direkt in meinem Hostel statt. Ich melde mich noch für den gleichen Tag an und wünsche mir Ceviche zu lernen. So stehe ich um 1100 Uhr mit Mütze und Schürze bekleidet hinter dem Herd und lerne nicht nur die Zubereitung von Ceviche sondern auch die von einem höllisch scharfen Fischgericht namens irgendwas-blabla-Macho.

The peruvian cooking experience kann beginnen

The peruvian cooking experience kann beginnen

Mein erstes selbstgemachtes Ceviche, ein Gaumenschmaus.

Mein erstes selbstgemachtes Ceviche, Man beachte die filigrane Tomatenrose.

Pescado del Macho

Meine Interpretation von Pescado del Macho.

Der Kurs macht richtig Laune und ich bin nun in der Lage eines der besten Gerichte der Welt zuzubereiten. Und ja, wenn ich wieder zu Hause seit ihr alle eingeladen vorbeizukommen und zu probieren.

Den Rest des Tages widme ich mich wieder dem Reiseführer. So bekomme ich nicht nur heraus, das Arequipa ein guter Ausgangspunkt für eine mehrtägige Tour zum Colca Canyon, wo die nächste Mission auf mich wartet ist, sondern auch das eine Gelbfieberimpfung für die Einreise nach Bolivien und den Amazonas verpflichtend ist. Da ich noch nicht weiß ob ich nach Bolivien oder gar nach Brasilien reisen werde, der Amazonas aber ein ganz fester Bestandteil meiner rudimentären Reiseplanung ist, beginne ich über eine etwaige Impfung nachzudenken.

Die Recherche im Internet bestätigt, dass es besser ist eine zu haben, auch wenn die Chancen bei einer Erkrankung fityfifty stehen. Was mir an für sich völlig ausreicht um mich in Sicherheit zu wiegen, den Grenzkontrollen aber nicht. Und eine Zwangsimpfung an der Grenze kann ich nicht wirklich was abgewinnen. Also mach ich mich mit vollem Magen auf zum Onkel Doktor. Gut der mürrische alte Mann im weißen Kittel wirklich ein Doktor war lässt sich nur schwer sagen, aber nach 30 Minuten bin ich 80 Soles leichter und einige Gelbfieberviren schwerer. Allerdings hat der ausschließlich spanisch sprechende Onkel lediglich eine nationale Impfbescheinigung ausgestellt. Die sieht ungefähr so aus wie ein Mitgliedsausweiß im hiesigen Kindergarten und hat keinerlei Wert. Sprich ich bin jetzt zwar geimpft, kann es aber nur unzureichend Nachweisen. Einige Telefonate und Tage später haben die Hotelangestellten, für mich herausfinden können wo ich die International Impfbescheinigung bekommen kann.

Das öffentliche Krankenhaus in Arequipa ist der gewählte Austragungsort eines bürokratisch orientierten Spiels aus dem Genre der „Such die Person mit dem richtigen Stempel“-Adventure. Jeder Stempel ist ein eigenes Level und es braucht insgesamt 5 Stempel, dabei darf man kein Level überspringen. Bewaffnet mit einem Zettel auf dem mir eine der Hotelangestellten die wichtigsten spanischen Sätze aufgeschrieben hat schaffe ich es innerhalb nur eines Vormittags alle Stempel inkl. Endgegenerstempel mit Unterschrift zusammen zu tragen und verfüge jetzt über einen interntionale Impfbescheinigung.

Links der kindergartenausweis, rechts mein neues Stempelsammelalbum

Links der Kindergartenausweis, rechts mein neues Stempelsammelalbum

 

Euer CevichePhil

Nachdem selbst das Kind neben ein Messer  hat, bekomme auch ich eins.

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