Die Linien von Nazca – Mission accomplished

Nazca ist nur knapp drei Stunden von Huacachina entfernt und ist bekannt für gigantische Geoglyphen die nur aus der Luft so richtig Sinn machen. Besser bekannt als die Nazca Linien. Es handelt sich dabei um geometrische Muster und Abbildungen von Tieren, Pflanzen und Menschen auf einer Fläche von über 450 km2. Schon als Kind faszinierten mich diese Linien, war doch damals das Rätsel um die Linien noch ungelöst. Heute geht man davon aus, dass es sich um einen Agrarkalender handelt, der hilft den Zeitpunkt von Aussaat und Ernte zu bestimmen. Bis vor knapp 60 Jahren kümmert sich niemand um die Linien im Sand und Nazca war ein unbedeutendes, verschlafenes Nest in der Wüste. Daran hat sich bis heute nichts geändert, ausser das es nun einen Kleinflughafen gibt, der tausende von Touristen jährlich in kleinen vier bis sechs sitzigen Maschinen in die Lüfte und an den Rand dessen was ein menschlicher Magen so verkraftet mit nimmt. Maria Reiche sei hier als aufopfernde Wissenschaftlerin genannt, die ihr Leben der Erforschung dieser Linien gewidmet hat. Erich von Däniken sei hier absichtlich nicht genannt. Ich habe zumindest keine Ausserirdischen hier landen sehen. Die Linien entstanden zwischen 300 v. Chr. und 700 n.Chr. in dem die oberste, zumeist dunkelbraune Schicht abgetragen wurde und somit Gräben mit einer Tiefe von bis zu 50cm entstanden. Dieser Umstand ist für mich besonders wichig, besagt doch eine Mission das ich das Potrait von Bart bzw. Bender den Linien hinzufügen soll.

Mission von m333: „… wenigstens den Linien noch ein paar hinzufügen, so dass ein Porträt von Bender oder Bart ensteht“

Ich entscheide mich für Bender, um zum einen Erich eine Falle zu stellen und zum anderen mag ich Roboter. Bereits in Huacachina habe ich angefangen mir in ausgefeilten Maltechniken und streng verodneter Selbstmeditation das Bildnis Benders einzuprägen und meiner Motorik aufzuzwängen. Waren die Bilder anfangs doch sehr infantil, konnte sich nach einigen selbstlosen Stunden das Ergebnis langsam sehen lassen. Als nächstes begann ich einen Plan für die Übertragung der Zeichnung auf den Sandboden zu erstellen. Ich wählte als Maßeinheit einen normalen europäischen Schritt und konstruierte somit eine genaue Anweisung für die Erschaffung einer neuen Geoglyphe. Gerade rechtzeitig bevor es zusammen mit vier Freiwilligen mit dem öffentlichen Bus in Richtung Nazca geht.

Der einzige Ort der für Bender in Frage kam war eine halbe Stunde vor Nazca gelegen und beherbergte ausser zwei bereits vorhandenen Linien auch einen Aussichtsturm. Der Aussichtsturm war für mein Vorhaben von entscheidender Bedeutung. Konnte ich so die Entstehung aus der Vogelperspektive begleiten und ggf. korrigierend eingreifen. Ausgerüstet mit Schnürren und armdicken Stöcken machten wir uns gleich bei Ankunft am Aussichtsturm ans Werk. Wir mussten schnell und präzise scharren. Ich bin mir sicher auch wenn es sich um eine Mission von übergeordneter Priorität handelt, reicht mein spanisch nicht aus um der Polizei die Notwendigkeit meines Vorhabens glaubhaft zu machen. Die Gelegenheit war günstig. Der letzte Touristenbus hat die Aussichtsplattform gerade verlassen und weit und breit war kein Mensch zu sehen. Ich hatte noch während der Busfahrt detaillierte Pläne für jeden Einzelnen erstellt und somit wusste jeder genau was er zu tun hat. Die angedachte Stelle in der Wüste, gleich neben der Abbildung von zwei Händen, war schnell erreicht und schon scharrten wir was das Zeug hällt. Die obere Schicht war nicht ganz so hart wie gedacht und wir kamen gut voran. Ich kontrollierte zwischen durch immer wieder das Ergebnis, musste aber kaum eingreifen. Dank eines spitzen Teams und hervorragender Planung lief es wie am Schnürchen. Immer wenn sich in der Ferne die Silhouette eines Reisebusses abzeichnete mussten wir uns schnell in der Wüste verstecken. Die hierzu dem Untergrund angepasste Kleidung und die von der Arbeit mittlerweile über und über von Dreck bedeckten ungeschützen Körperteile vervollständigten unsere Tarnung. Ich machte immer wieder Aufnahmen mit meiner Kamera vom Aussichtsturm und teilte das Zwischenergebniss mit dem Team. Das half nicht nur der Teammotivation, waren wir doch inzwischen schon sehr weit gekommen, sondern auch der weiteren Planung.

Ein starker Wüstensturm zwang uns sinnbildlich kurz vor Fertigstellung in die Knie und entriss uns die so sorgfältige angefertigen Pläne. Das Gesicht geschützt, flach auf dem Boden liegend harrten wir dem heißen Wüstenwind und den erbamungslosen Sandkörner, die wie Nadelstiche immer wieder tausendfach auf sich aufmerksam machten und auf unsere geschundenen und verschwitzen Körper einschlugen. Nach nur knapp 10 Minuten war der Spuk vorbei. Allerdings hat unser Werk unter dem Sturm gelitten. Die mühevoll ausgehobenen Gräben war teilweise mit Sand bedeckt. Der Sand war zum Glück sehr lose und die Gräben tief genung, so dass der Schaden schnell behoben war.  Durch den stetigen Abgleich mit den Kamerabildern konnten wir das Werk tatsächlich beenden. Ich kletterte ein letztes Mal auf den Turm um das finale Ergebnis zu Fotografieren und es dem Team zu zeigen. Die Begeisterung ob des Ergebnisses war groß und man riss mir die Kamera jubetaumelnd aus den Händen.Wollte doch jeder das vollendete Meisterstück bestaunen. Dabei muss es wohl passiert sein. Ein unachtsamer Finger auf dem richtigen Knopf zur falschen Zeit, und alle Bilder wurden gelöscht. Nur eines nicht, das Bild von Bender, gescharrt in den heißen Wüstenboden, direkt vor uns.

Da unser Flug über die Linien für drei Uhr Nachmittags angedacht war, nahmen wir den nächsten Bus nach Nazca. Dabei sprachen wir laut und immer wieder die Worte „That`s awesome“ und „Oh my god“ so das man uns für US Amerikaner hielt. Da fiel dann auch die verschmutzte Kleidung nicht auf. Denn mal ehrlich bei den Amis wundert man sich über nichts mehr. Wir schafften es pünktlich zum Flughafen und voller Vorfreude bestiegen wir das Flugzeug, nachdem wir uns und unsere Klamotten auf der Flughafentoilette  vom Staub befreit haben. Der Flug als solches ist nebenbei bemerkt nicht ganz ohne. Die starke Thermik über dem aufgeheizten Boden setzt der Machine und dem Magen ganz schön zu, und man sollte auf gar keinen Fall direkt vor dem Flug essen. Und dann nachdem wir 20 endlos wirkende Minuten einige der ursprünglichen Linien überflogen haben, sehen wir mitten in der Wüste an der Strasse einen blauen Reisebus und gleich daneben zum ersten Mal unser Werk von oben.

nazcabender

Gut unser Bild ist nicht ganz so tief ausgescharrt wie die Originale, aber das Gefühl so etwas geschaffen zu haben ist unbeschreiblich. Haben wir uns doch für zumindest eine kleine Weile hier verewigt, zumindest bis zum nächsten Sandsturm.

FreuFreu!

FreuFreu!

Teamfreufreu

Teamfreufreu

Mission accomplished!

Natürlich will ich euch die originalen Linien an dieser Stelle nicht vorenthalten. Sind ja auch ganz nett anzusehen.

Euer Phil v. Däniken

IMG_2577

Kojote

Kolibri

Kolibri

Astronaut

Astronaut

Affe

Affe

Walfisch

Walfisch

Spinne

Spinne

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4 Responses

  1. Mark sagt:

    Hahaha Hammer aktion! viel Spaß weiterhin, du scheinst es dir ja gut gehen zu lassen 😉

  2. M333 sagt:

    Schön gescharrt! Daumen hoch! Fantastisch!

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