Prima Lima

So oder so ähnlich hätte es lauten können wären in Lima einige Sachen anders, andere gar nicht vorhanden und wiederum andere genau so wie sie sind nur etwas leiser und weniger. Aber alles der Reihe nach. Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass noch bevor ich den ersten Fuß auf peruanischen Boden setzten konnte mein Reisebudget, wenn man es denn so nennen kann, einen weiteren erheblichen Tiefschlag erlitten hat. Klar, so ein Helikopterflug ist nicht günstig aber durch die simple Tatsache das es keine GoPro zu kaufen gab, hab ich diesen Posten gedanklich einfach umbudgetiert und der Buchhalter des Gewissens, nennen wir ihn mal Ben, gab sich damit zufrieden und die Sache ging in Ordnung.
Ich hatte den Flughafen auf der Suche nach meinem Gate und was zu Essen kaum durchschritten schon höre ich Ben gehörig Alarm schlagen. Auf der Suche nach dem Grund für diesen Alarmzustand erblickte ich einen engagierten Verkäufer der mir die neue GoPro4 Silver Edition direkt in mein perifäres Gesichtsfeld hält. Er verliert keine Zeit damit mir begeistert zu erzählen wie fantastisch diese Kamera doch sei und allein der Umstand, dass sie der einzige Laden in ganz Panama, ach was, Lateinamerika sind die erst gestern dieses Model geliefert bekommen hat kommt schon einem Wunder gleich.
Zum Glück bin ich für solche Fälle mit einem effektiven mentalen Betäubungsmechanismus ausgestattet und nach einer kurzen aber effektiven Preisverhandlung liegt Ben mitsamt Gewissen in der Ecke und die GoPro in meiner Einkaufstasche. Ich nutze die Gelegenheit, das Ben gerade etwas abgelenkt ist und kaufe mir auch gleich noch zwei Hotdogs für je 5$ und lege mir schon mal einen gute Geschichte zurecht um Ben später mit einer irrwitzigen Aneinaderkettung von aboslut erlogenen Tatsachen gnädig zu stimmen.
Die restliche Zeit am Flughafen und während des Fluges verbringe ich damit die Kamera aufzuladen, einzurichten und auzuprobieren. In Lima warte ich über eine Stunde auf ein Schild das meinen Namen trägt und das zugehörige bestellte Taxi, bis es mir irgendwann dämmert, dass mein Name die Horde am Flughafenausgang in Lima niemals zieren wird. Ein neues Taxi ist schnell gefunden und wir fahren hinaus in die Nacht. Schnell werden mir drei Dinge klar. Erstens, Peru hat ne eigene Währung mit mir unbekanntem Wechselkurs was die Preisverhandlung mit dem Taxifahrer für ihn günstige verlaufen lässt. Zweitens, mein Spanisch ist alles andere als geeignet um egal was damit zu machen, was die Preisverhandlung mit dem Taxifahrer zu seinen Gunsten beendet. Und drittens, der Verkehr in Lima kann es durchaus mir Städten wir Kairo aufnehmen, was dem Taxifahrer total recht geschieht. Es herrscht Krieg und die Hupe ist die Waffe der Wahl. Hier werden selbst Linienbuse die sich erdreisten anzuhalten um Leute ein- und aussteigen zu lassen, in Grund und Boden gehupt. Verkehrsspuren waren zwar mal angedacht und die Linien sind vorhanden, aber haben sich als absolut unrentabel erwiesen. Stockt der Verkehr auf der einen Spur, wird kurzhand die Gegenfahrbahn annektiert. Entsprechend sehen die Autos aus. Es erweckt den Eindruck als sei Lima der Gnadenhof für Autos die schon etliche Jahre auf einem Schrottplatz hinter sich haben und nun mit ein wenig Benzin und schwarzer Magie wieder erweckt wurden. Noch nie war der Satz „Wer bremst verliert“ treffender als hier. Die ins Sinnlose degradierten Verkehrspuren erhalten allerdings Unterstützung von einer schieren Masse an künstlichen Bodenwellen. Die sind an jeder Krezung und auf dem Weg dorthin installiert und zwingen selbst den waghalsigsten Fahrer zur ungewollten Geschwindigkeitsreduzierung. Chaos pur. Ich beginne mich wohl zu fühlen. Dieses Gefühl nimmt allerdings ein jehes Ende als ich das Backpacker, Ben hat mich dazu gezwungen, betrete. Nennen wir es mal eine sehr schlichte Unterkunft. Ich höre Ben wie er voller Schadenfreude in mich hineinkichert.
Mir bleibt nicht viel Zeit die Vorzüge meiner neuen Behausung zu geniessen. Ich bin bereits mit meinem Kontakt in Lima verabredet.
Mein Kontakt, Dina, die Cousine von Lina, hatte ich vor einem Jahr auf dem Hosenkonzert in Berlin kennengelernt und sie hat mich nach Peru eingeladen. So kam ich überhaupt auf die Idee mir dieses Land mal genauer anzusehen. Ich mache mich kurz darauf auf zu Dina, die Cousine von Lina, in Lima.

Das ist Dina

Das ist Dina…

Und das ist Lima

…und das ist Lima

Wenige Stunden später tanze ich weintrunken auf einer Terrasse in Magdalena del Mar Salsa mit Dinas Vermieterin und bin gespannt wie die Dinge sich in den nächsten sieben Wochen entwickeln werden. Salsa schließen wir alle aus, ich bin wohl mehr der Moshpit Typ.
Am nächsten Tag unternehmen wir einen Ausflug innerhalb dieser 10 Millionen Metropole. Flanieren am Strand entlang, Dina wird nicht Müde mich mit Fakten über diese Stadt und das Land zu unterhalten und zum Abschluss erlebe ich meine erste kulinarische Offenbarung auf dieser Reise. Ceviche.

Psalm 69 der kulinarischen Bibel

Ceviche, Psalm 69 der kulinarischen Bibel.

Ceviche ist roher Fisch mariniert mit Limonen und Chilli und ist einfach nur grossartig. Dazu ein kühles Bier und der Tag ist perfekt. Abends sind wir noch bei einer Freundin von Dina zum Essen eingeladen. Es gibt Ceviche und eine Erkenntnis. Ich sollte alsbald mal Anfangen mich mit diesem Land und vor allem der Sprache auseinander zu setzen.
Am nächsten Tag setzen wir uns in erster Linie erst mal mit Sonne und Strand in einem kleinen Städtchen namens Punta Hermosa, das sicherlich kein Mensch malen möchte auch wenn der Name wunderschöner Punkt bedeutet, auseinander. Ich nutze die Zeit um zwischen Ceviche und Bier, oh ja das gibt es jetzt täglich, in meinem Reiseführer zu blättern und Dina auszufragen.

Der ballermannneske Ort der Auseinadersetzung.

Der ballermannneske Ort der Auseinadersetzung.

Immerhin hat bisher fast jeder mit Erstaunen und der Nachfrage, was ich denn so lange hier machen will, reagiert, wenn ich erzähle, dass ich knapp sechs Wochen in Peru verbringen will. Das macht mich ein wenig unsicher. Hab ich doch bisher noch relativ wenig, bis gar keine Zeit darauf verwendet mich mit dem Land selbst und einem dazugehörigen Plan auseinanderzusetzen. Aber Peru hat einiges zu bieten und dank der mir gestellten Missionen sind die Eckpfeiler meiner Reise gesetzt. Da wurden Huacachina, Nazca, Colca Canyon, Titicacasee und der Manu Nationalpark genannt. Die Reihenfolge bleibt aber weiterhin offen.
Nicht nur die Reihenfolge, auch die Art und Weise wie man dieses Land bereist ist durchaus den einen oder anderen Gedankengang wert. Das sicherste und einfachste Fortbewegungsmittel ist der Bus oder das Flugzeug. Ben mag die Idee mit dem Flugzeug gar nicht und ich finde mit dem Bus sieht man auch mehr vom Land. Ben und ich sind verdutzt ob dieser seltenen Einigkeit. Öffentliche Buse fallen für lange Strecken raus auch die Sicherheit auf solchen Busen ist mehr als nur fragwürdig. Es gibt aber etliche private Busunternehmen die ganz Peru bereisen. Zudem sind diese mit Liegesitzen ausgestattet um die gerne auch mal über 20 stündigen Touren ohne Schiefstellung diverser Knochenverbünde des eigenen Körpers zu meistern. Im Backpacker wird mir Peru Hop empfohlen. Ähnlich wie die Busse in Neuseeland kann man hier ein- und aussteigen wie man lustig ist und kann sich unterwegs bis zu einem Jahr Zeit lassen.
Lustig ist überhaupt das Stichwort, denn laut Werbebroschüre geht es auf den Touren und im Bus nicht nur sicher sondern auch lustig zu. Ich habe bereits die letzten zwei Nächte mit lustigen und betrunkenen 20 Jährigen Backpackern zu tun gehabt und zweifel daran, dass mir diese Art von lustig zusagt.

Die restlichen Tage in Lima verbringe ich damit mir zu überlegen wie lustig ich den unterwegs sein möchte, einer gepflegten Jam Session im Hostel bei der auch Panflötenspieler von der Strasse anwesend waren, und immer wieder Ceviche. Auch die Beschaffung von warmer Unterwäsche, Nachts wir es doch recht kühl, und einer peruanischen SIM Karte stehen auf dem Programm. In Ermangelung eines alternativen Plans besteige ich, nach einer  Woche Lima, überhaupt nicht lustig gestimmt um sechs in der Früh den Peru Hop Bus in Richtung Cusco. Erster Halt Paracas. Hop Hop. Wer mich übrigens kontaktieren möchte, meine neue Nummer lautet +51 945 42 898 und ist registriert auf Philipp Deutsch. Meine spanisch Kenntnisse werden zwar immer besser aber mein Nachname war dann wohl doch zu kompliziert.

Paracas ist ein Nationalpark und der erste Halt auf meinem Weg in den Norden Perus in Richtung Cusco und wird auch als klein Galapagos Perus bezeichnet. Mit dem Schnellboot geht es vom Hafen aus zu den der Küste vorgelagerten Inseln. Die Inseln sind schroffe Felsen die aus dem Meer ragen. Auf ihnen tummeln sich Seelöwen und eine beträchtliche Anzahl an diversen Seevögeln produzieren hier unentwegt Guano, welches alle fünf Jahre geerntet wird.

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Guanofabrik

Guanofabrik

Der Trip ist durchaus zu empfehlen, bekommt man hier doch eine Menge an Seelöwen aus nächster Nähe zu Gesicht. Der anschließende Ausflug in den Nationalpark ist eher ein Lückenfüller, steht man doch einfach nur in der Wüste umgeben von Meer herum. Aber hey, been there done it, und schön ist es ohnehin.

Auf dem Schild steht, dass es gefährlich ist wenn man seinen Hut nicht festhält.

Auf dem Schild steht, dass es gefährlich ist wenn man seinen Hut nicht festhält.

Ein Blick auf meine Liste mit den diversen Missonen bestimmt den nächsten Halt. Huacachina,wo meine erste Mission auf mich wartet. Off we go.

LimaPhil

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1 Response

  1. Mia Liebl sagt:

    suuuper schön und auch,dass du dich wieder nach eine Ewigkeit gemeldet hast .Mit Begeisterung habe ich „Prima Lima “ „verschlungen und bin sehr froooh,dass es dir gut geht.Nur der Ben tut mir leid,was „Elektronik
    betriftt,hat er bei dir einen harten Job!Liebste Grüße an euch beiden ,bis bald Mom

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