Cocos, Malpelo und der ganze Rest

So wie es auf Cocos in den ersten Tagen begonnen hat, so geht es weiter. Bei jedem Tauchgang sehen wir mal mehr mal weniger Hammerhaie, tauchen durch Höhlen und erfreuen uns an Marmor- und Adlerrochen. Auch der eine oder andere Schwarm von Stachelmakrelen nimmt einen gastfreundlich auf, sofern man sich nur langsam und mit Bedacht nähert. Kaum haben einen die Fische umschlossen, schon fühlt man sich wie der Teil eines riesigen Organismus der über die Größe des einzelnen hinausgeht. Dabei besuchen wir die unterschiedlichsten Tauchplätze vor Cocos, mal lassen wir uns an den Hängen eines im Wasser aufragenden Felsens hinab, mal hangeln wir uns im offenen Wasser an einer Leine in die Tiefe.Das Wetter beschert uns trotz Regenzeit zwei, mit gutem Willen drei Tage Sonne, die die meisten von uns zwischen den Tauchgängen gerne an ihre Haut lassen. Ansonsten wird ziemlich viel geschlafen. Beginnt der Tag um 06:00 in der Früh, so endet er um spätestens um 21:00 Uhr auch schon wieder. Hat man in der Zwischenzeit weniger als 2-3 Stunden tagsüber dösend auf dem Deck verbracht so ist man schon die Außnahme von der Regel.

Auf Schwarmbesuch

Auf Schwarmbesuch

Da wir die gesamt Zeit über in einer geschützten Bucht liegen, kann ich auch wieder am sozialen Leben teilnehmen. Zwischen den diversen Schlafeinheiten lerne ich einige der Mitreisenden besser kennen. Stefan, der uns von Tauchertraum zur Seite gestellte Ansprechpartner, ist im wirklichen Leben Ingenieur in München und liebt das Oktoberfest und Bier. Seine ganz persönliche Mission sind der Konsum von insgesamt 60 Bieren. Er macht fantastische Photos. (Einige davon finden sich auch hier in meinem Blog wieder, danke Stefan!) Harald ist mit seiner Frau unterwegs und studierter Meeresbiologe, macht aktuell was mit medizinischen Studien. Anja, eine Busfahrerin aus der Schweiz die zu Hause Landkrabben in ihrem Hobbyraum hält. Uwe und Uwe beide mit Frau und Hightechkamera unterwegs, das größte und hellste Lich hat aber Harald, der eine Arzt der andere organisiert und veranstaltet Motocrossrennen und Meisterschaften. Und auch Christian und ich lernen uns besser kennen. Christian arbeitet bei der Polizei als Forensiker. Im Büro hat er den Spitznamen Silberrücken, vor allem weil er an allem etwas auszusetzten hat. So zumindest erklärt er selbts seinen Spitznamen und deutet dabei auf sein ergrautes Oberhaupt. Und dann ist da noch Uschi eine selbständige Onkologin und Retterin unseres Maschinisten. Alle haben eines gemein. Die Liebe zum Tauchen. Abends sitzen wir zusammen und es werden Geschichten über die verschiedensten Tauchplätze dieser Welt erzählt. Wo man was geshen hat und welche Destination sich wirklich lohnt. Auf welches Schiff man getrost gehen kann und welches Schiff man lieber meidet. Bei all diesen Gesprächen merkt man schnell wie jung tauchen doch hält und ich löse in Gedanken unsere juveline Splittergruppe auf. Zudem versuche ich mir alles zu merken, denn diese Informationen und Erfahrungen sind wirklich goldwert. Wenn ich dann demnächst auf dem falschen Schiff am falschen Riff lande, weiß ich das mein Langzeitgedächtsnis wiedermal Murks memoriert hat, und umgekehrt. Alles in allem muss man sagen, hab ich es mit der Reisegruppe an Bord ganz gut getroffen. Und der Umstand, dass wir zwei Ärzte an Board haben ist nicht nur allgemein beruhigend, sondern rettete uns am fünften Tag die Weiterfahrt. Auch wenn das so keiner gesagt hat. Aber wenn der Maschinist plötzlich am Sauerstoff hängt weil er Herzschmerzen hat ist das doch nicht ganz von der Hand zu weisen. Befinden wir uns doch weit ab von jeder Versorgung, welcher Art auch immer. Und ohne Maschinisten passiert auf so einem Schiff rein gar nichts. Sein Zustand bessert sich aber in den folgenden Tagen dank Uschi und er bleibt uns wohlauf erhalten. Wo wir schon bei der Crew sind, zur Crew gehört auch Nelson, der Man hinter der Bar und stellvetretender Koch. Mit Nelson hab ich T-Shirts getauscht und verfüge nun über ein fantastisches Isla del Cocos T-Shirt und dann noch der Leitwolf an Bord. David der Kapitän. Eines Abends beim Mittagessen spricht der Kapitän einfach mir nichts dir nichts astreines Deutsch. Auf die Frage wo er das denn gelernt hätte, antwortet er, dass er Anfang der 90er einige Jahre in Berlin verbracht hat. Im Laufe des Gesprächs stellt sich heraus, das unser Kapitän ein ehemaliger Hausbesetzter aus der Mainzer Strasse ist. Es bestätigt sich mal wieder, die Welt ist ein Dorf, aber nur wenn man reist.

Der letzte Tauchtag jedoch sticht heraus und soll an dieser Stelle eine eigene Erwähung finden. Bisher hatte ich bereits meinen ersten Hammer-,Galapagos-, Seiden- Ozeanischen Schwarzspitzen- und Tigerhai gesehen. Aber als beim zweiten Tauchgang ein Hammerhai beschlossen hat seine Scheu abzulegen und Schnurstracks auf mich zuschwimmt um nur eine halbe Armlänge vor mir leicht abzudrehen, konnte ich nicht nur seine letzte Mahlzeit sehr genau zwischen seinen Zähnen erkennen, sondern sah mich schon neben dem Machinisten am Sauerstoff hängen. Klar waren die anderen Haie teilweise auch nur zwei drei Meter entfernt, aber wenn ein Hammerhai beschließt sich einen, in dem Falle mich, ganz genau anzukucken ist das ein klasse Erlebnis, das Bilder und Videos nur zum Teil wiedergeben können,vor allem wenn die GoPro auf maximalen Weitwinkel eingestellt ist. Und das genau zu dem Zeitpunkt, als man bereits seit einiger Zeit die Atmung eingestellt hat um die Tiere nicht zu erschrecken. So bleibt das Erlebnis für immer mit dem ersten Atemzug danch verknüpft. Luft ist was verdammt gutes.

Immer wieder sichten wir Delphine in der Bucht und auf dem Weg hinaus zu den Tauchplätzen. Auch unter Wasser kann man die verspielten Gesellen hin und wieder hören. Begegnungen mit Delphinen sind aber beim Tauchen eher selten. Die Tiere haben zwar keine Angst vor uns Tauchern oder unseren lustigen Blasen, finden diese aber einfach doof. Und so habe ich die Hoffnung auf eine Begegnung mit Delphinen beim Tauchen bereits begraben. Weit gefehlt, denn als ich immer noch sehr sehr euphorisch nach meiner Begegnung mit dem Hammerhai aus der Tiefe auftauche und auf 5 Metern für meinen Sicherheitsstopp inehalte, rast mit einer unglaublichen Eleganz und Schnelligkeit ein Delphin durch unsere Gruppe hindurch. Meine erste Begegnung mit einem Delphin. Das nenne ich doch mal einen Abschluß für unseren Ausflug zur Isla del Cocos.

P1040684

Zum letzten Mal stehe ich an der Reling vor Cocos und höre mir über Kopfhörer What a Wonderful World von Joey Ramon an. Eine Träne kullert mir über das Gesicht.

Tschüss Cocos.

Die Motoren starten und das Boot setzt sich in Richtung Malpelo, Kolumbien, in Bewegung. Die geschätzte Fahrzeit beträgt ca. 45 Stunden. Als wir die schützende Bucht verlassen und die Wellen den Schiffrumpf wieder in ihre Gewalt zwängen, fallen mir die Worte des Kapitäns ein, dass die Überfahrt nach Malpelo durchaus hart werden könnte. Fahren wir doch jetzt längs zu den Wellen. Die Überfahrt nach Cocos ist dagegen Kinderkram. Ich habe mir aber in den vergangenen Tagen einen Plan zurecht gelegt. Hatte ich doch ausgiebig Zeit die Wirkung von Dramamine, Vomex und Co. ausgiebig zu testen. Und ich sage euch, die Mischung machts. Dennoch bereitet mir, die Worte von David noch im Ohr, die Aussicht auf die kommenden zwei Tage Unbehagen.

Völlig umsonst wie es sich herausgestellt hat. Die Silhouette von Cocos ist schon seit Stunden am Horizont verblasst, und an ihre Stelle tritt nun ein wunderschöner Sonnenuntergang. Was ist das nur mit den Sonnenuntergängen. Hundertfach bereits erlebt aber immer wieder fazinierend. So auch diesmal. Ich stelle meine GoPro auf Serienaufnahme ein um ein dem Sonnenuntergang entsprechend gerechtes Bildmaterial zu schaffen. Die Kamera wird dazu mit einem Stativ, welches laut Hersteller, genau für diese Zweke geeignet ist, von mir an der Reling befestigt und die Kamera speichert alle zwei Sekunden brav ein Bild der untergehenden Sonne auf die fast volle 64GB Speicherkarte. Das tut sie jetzt nicht mehr. Ich bezweifel ganz stark, dass das Gehäuse dem Druck in 4000 Metern Tiefe stand gehalten hat. Denn da liegt meine GoPro jetzt. Das Stativ hatte anscheinend keine Ahnung von den Werbeaussagen des Herstellers und somit auch keine Ambition diesen nachzukommen. Und so verabschiedete sich meine GoPro zusammen mit Stativ und prallgefüllter Speicherkarte mit einem leisen Platscher in die Tiefe. Das ist auch der Grund warum ich euch hier keine Aufnahme vom Delfin und auch sonstigen Szenen der letzten Tage auf Cocos präsentieren kann. Nur einzig die Aufnahme vom neugierigen Hammerhai hatte ich direkt nach dem Tauchgang auf mein Tablet kopiert. Man reicht mir sofort ein Bier und Stefan und Harald versprechen mir ihre Aufnahmen und Fotos zur Verfügung zu stellen. Danke an dieser Stelle an euch! Ich habe jetzt mehrere hundert Gigabyte an Film- und  Fotomaterial auf meiner externen Festplatte. Sobald ich wieder zu Hause bin stelle ich daraus sehr gerne einen cineastischen Augenschmaus zusammen den wir uns dann gemeinsam anschauen können. Bis dahin hab ich für euch ein paar der mir verbliebenen Hailights (tut mir leid, aber der musste einfach sein, hab mich schon soooo lange zurückgehalten) mit den mir zur Verfügung stehenden technischen Mitteln zusammengestellt.

Das Ganze hat aber auch was Gutes. Zum einen kann ich mir sofort bei meiner Ankunft in Panama die neu erschienene GoPro4 kaufen und zum anderen hat das Meer die ganze Aktion anscheinend als Opfergabe an seinesgleichen missverstanden. Denn mit dem Moment, in dem meine GoPro in ihr kühles nasses Grab hinabgestiegen ist, ist das Meer spiegelglatt. Selbst der Kapitän ist ob einer solch ruhigen See zwischen Cocos und Malpelo verblüfft. Der Rest der Überfahrt veläuft daher ruhig und alle nutzen die Tatsache, dass man sich nun nicht mehr mehrfach am Tag in den noch nassen Neopren quetschen muß aus, um noch mehr zu schlafen. Und da wir am zweiten Tag der Überfahrt eine Zeitzone passieren, werden die Uhren eine Stunde vor gestellt. D.h. man kann jetzt Abends sogar noch eine Stunden früher schalfen gehen und es bleibt bei 21:00 Uhr. Welch Wonne.

Am Morgen des dritten Tages, seit dem Verlassen der Insel Cocos in Costa Rica, schippern wir bereits durch kolumbianisches Gewässer als am Horizont Malpelo erscheint. Malpelo ist im Gegensatz zu Cocos tektonischen Ursprungs. Dieser Umstand manifestiert sich in der einfachen Tatsache, dass Malpelo ein nackter, 2km langer und 300 Meter breiter, Steinfelsen ist der 300 Meter aus dem Meer in die Höhe ragt. Zudem hat sich auf eben diesem besagten Felsen die weltweit größte Maskentölpel Kolonie eingenistet und somit kann man auch von einem geradzu beschissenen Felsen sprechen. Damit steht Malpelo in so starkem Kontrast zu Cocos, wie sonst nur Rot zu Grün. Auch dem Taucher hat Malpelo einiges zu bieten. Anders als in Cocos gibt es hier kein sichtbaren Meeresgrund. Die Seiten der Insel fallen nahezu kerzengerade bis in 4.000 Meter Tiefe ab, so das man immer vielversprechendes Blau unter sich hat. Malpelo ist berühmt für seine gigantischen Fischschwärme, riesigen Ansammlungen von Hammer- und Seidenhaien und auch der eine oder ander Buckelwal wurde hier beim Vorbeiziehen gesichtet. Genug also um wieder frisches Filmmaterial aufzutanken.

Ein mal so richtig von oben bis unten beschissener Felsen

Malpelo, ein mal so richtig von oben bis unten beschissener Felsen.

Die Insel selbst ist in erster Linie ein Militärstützpunkt. Durch die ständige militärische Präsenz hier draußen, sichert sich Kolumbien erweiterte Seegrenzen. Neben den 4-5 Soldaten sind auch ein bis zwei Ranger auf der Insel die sicherstellen sollen, dass im umliegenden Naturschutzpark  nicht illegal gefischt wird. Da diese aber über keinerlei Boot verfügen, und die Insel nur über eine abenteuerliche Konstruktion die eine nicht wirklich vertrauenserweckende Strickleiter mit einschließt zu erklimmen ist, darf an der Efffektivität des Naturschutzes gezweifelt werden. Die Yemaya ist das einzige Boot das Malpelo anlaufen darf und so helfen die Jungs in den Skiffs gerne mal aus und gehen zusammen mit den Inselbewohnern auf die Jagd falls doch mal ein Fischerboot auftaucht. Ist die Yemaya allerdings nicht vor Ort wird es für den Fisch im Wasser finster.

Runter kommen sie alle.

Der einzige Zugang zur Insel. Runter kommen sie alle.

Wir bereits zuvor in Cocos starten direkt nach unserer Ankunft die Vorbereitungen für den ersten Tauchgang. Alek unser amerikanischer Diveguide, der völlig zu unrecht bisher unerwähnt blieb, offeriert mir für die restlichen Tauchgänge seine GoPro. Yeah, danke Alek! Die Diveguides werden wieder getauscht, das machen die jede Woche so, und an Stelle von Louis, werden uns wieder Haimi und Alek durch das tiefe Blau führen. Dabei hatte ich mich gerade an Louis und seine unkomplizierte Art gewöhnt. Erfährt man beim Briefing von Haimi und Alek die genauen Strömungsrichtung, wann Ebbe und Flut einsetzen sowie eine genaue Route die betaucht wird,so sind die Briefings von Louis etwas einfacher gestrickt. Bei den meisten Briefings heißt es mit spanischem Akzent:“We go down, look at things and make bubbles and come up again, easy! If there is current we will see and decide what to do.“. Beide haben ihre Vorzüge, entspannter ist aber definitv das Tauchen mit Louis.

 

Maßstabsgetreue und detailierte Tauchplatzbeschreibung von Haimi

Maßstabsgetreue und detailierte Tauchplatzbeschreibung von Haimi

Die Tauchplatzbeschreibung von Louis.

Die Tauchplatzbeschreibung von Louis, mit maßstabsgerechten und detailiert grinsenden Tigerhai.

Manchmalmmacht Louis es sich sehr einfach und beschreibt erst gar nichts.

Manchmal macht Louis es sich sehr einfach und beschreibt erst gar nichts.

Ansonsten unterscheidet sich das Tauchen vor Malpelo rein von den Herausforderungen an den Taucher kaum von Cocos. Starke Strömungen und der Sog der Brandung sowie starker Wellengang an der Oberfläche. Apropos Wellengang. Im Gegensatz zu Cocos bietet Malpelo keine geschütze Bucht und die Yemaya II ankert somit im offenen Meer. Der Ein- und Ausstieg vom Boot ins Skiff, kann einem schon mal den Arm auskugeln, wählt man das falsche Timing. So sind also der einzige Unterschied zwischen Malpelo und Cocos, das fehlen jeglicher Vegetation, keine geschütze Bucht, keine nutzbarer Meeressboden und ca. 120.000 Tölpel die Tag und Nacht um die Wette krächzen.

Einen wichtigen Unterschied gibt es noch. Die Hammerhaie sind noch wesentlich scheuer als auf Cocos und gefühlt auch nicht so zahlreich. Das ist überraschend, ist Malpelo doch bekannt für sein Protzerei  mit Hammer- und Seidenhaien. Sehen wir Hammerhai wenn überhaupt oft nur in knapp 4o Metern Entfernung, die Sicht unter Wasser ist phänomenal, so sehen wir selten mal ein bis zwei Seidenhaie. Gut man mag anmerken, dass gerade keine Saison für Seidenhaie ist. Aber auch das fehlen der noch vor Jahren gigantischen Fischschwärme macht doch stuzig. Sind es doch gerade diese Schwärme die hier seit Jahrzehnt stationär sind. Einige der Mitreisenden waren bereits öfters auf Malpelo in den Jahren zuvor, und sind regelrecht erschrocken. Ich erinnere mich wieder an die zwei Ranger ohne Boot oben auf dem Felsen.

Woran es allerdings in Malpelo keinesfalls mangelt sind Muränen und an den exponierten Tauchplätzen an Skorpionfischen. So hat man oft Mühe und Not einen geeigneten Platz zum Festhalten am Felsen zu finden, da die meisten bereits entweder von Muränen, Seeigeln oder Skorpionfischen besetzt sind.

 

Und hat man dann doch ein Plätzchen gefunden kann man sich sicher sein, dass die nächste Muräne nur wenige Dezimeter entfernt genervt ihr Maul aufreist. Manchmal findet man sogar ein ganzes Knäul aus bis zu 15 großen Muränen, die ich bisher als strikt solitär angetroffen habe.

Aber deswegen sind wir nicht hier. Wir sind gekommen um alle möglichen Haie zu beobachten.  Doch auch nach mehreren Tauchtagen bleibt der subbjektive Eindruck, dass das Meer um Malpelo verlassen wurde. Vielleicht bin ich bereits von Cocos zu verwöhnt und/oder meine Erwartungen sind zu hoch gesteckt, aber die Sichtungen von großen Schulen oder Ansammlungen von Haien bleiben aus, bzw. finden ohne uns und zu weit entfernt statt. Die wirklich zahlreichen Putzerstationen rund um die Insel bleiben in unsere Anwesenheit unbesucht.

Das fehlen von Plankton, was uns diese ungewohnte gute Sicht unter Wasser beschert kann auch ein Grund für den fehlenden Fisch sein. Auch ist die Sprungschicht, sonst in ca. 15-20 Metern Tiefe zu finden, jetzt auf etwa 35-45 Meter abgesunken. Und nur selten passieren wir diese beim Tauchen und finden uns von jetzt auf gleich anstatt in Wasser von 28 Grad in Wasser von 23 Grad wieder. Das ist für mich immer noch die harmloseste Erklärung. Immerhin treffen bei Malpelo bis zu 12 verscheidene Meeresströumgen aufeinander und ist die eine gerade bockig und hat sich mit einer andern verkracht kann das enorme Auswirkung auf das gesamte Ökosystem der Insel unter Wasser haben. Mit diesen Erklärung und dem Wissen das es sich auch wieder von einem Tag auf den anderen ändern kann, halten wir uns motiviert. Obwohl motiviert an dieser Stelle sicherlich von mir etwas deplaziert wurde. Das Tauchen ist fantastisch und macht Spaß, wir begegnen bei jedem Tauchgang mindestens einigen Hammer- oder Galapagoshaien. Und Landschaftlich sind die steil abfallenden Wände ein echter Hingucker, aber dennoch hält sich bis zum dritten Tage eine etwas gedrückte Stimmung.

DSC02786

Beim ersten Tauchgang des dritten Tages, es ist ca. 07:30 Uhr in der Früh, und wir sind gerade Am Tauchplatz El Acuario abgetaucht, schwimmt aus der Tiefe ein riesiges Maul auf mich zu. Dem Maul folgt zugleich ein etwa 8-9 Meter langer grüner mit weiß gelben Punkten überzogener Körper. Ich kann es nicht fassen. Ein Walhai gesellt sich zu uns. Damit hat keiner mehr gerechnet. Und verlaufen Begegnungen mit Walhaien eher nach dem Schema, ich schau mal kurz vorbei, will hier aber niemandem zur Last fallen und bin auch gleich wieder wech, ab, so dauerte diese meine erste Begegnung mit einem Walhai den gesamten Tauchgang. Über 40 Minuten lang tauchen wir zusammen mit diesem friedfertigen Koloss der Meere. Und als dann auch noch ein zweiter dazu kommt wirkt die gesamte Szenerie unter Wasser irgendwie sureal.

Ich filme gerade dem Walhai nach der soeben unter mir durchgetaucht ist als dieser in einem großen Bogen kehrt macht und genau auf mich zuschwimmt. Sein langer Körper schiebt sich mit eleganten Schlägen seiner Schwanzflosse durchs Wasser direkt auf mich zu. Zu tiefst Beeindruckt von diesem Tier senke ich die Kamera und genieße den Moment der nur für mich und meine Erinnerung gedacht ist. Und als hätte der Walhai ähnliches vor schwimmt er nur wenige Zentimeter, und das ist beileibe keine Übertreibung, an mir vorbei und wir Blicken uns in die Augen. Ein magischer Moment. Aber irgendwie fehlt dem Hai der Sinn für menschliche Ästethik den kurz darauf verdreht er das Auge und schwimmt weg. Ich deute das als Augenzwinkern und zwinkere ergriffen zurück als mein neuer bester Unterwasserkumpel sich ins tiefe Blau davonmacht.

Und so ist es diese Begegnung, gepaart mit den surealen Landschaften und sozialen Muränen, den noch ängstlicheren Hammerhaien, und den kleinen Geschichten drum herum, die für mich Malpelo zu einem ganz besonderen Tauchspot machen. Und ich hoffe inständig, dass die Meeresströmung sich wieder vertragen und der Fisch nach Malpelo zurückkehrt. Bleibt mir als Besucher doch immer nur eine kurze Momentaufnahme.

Euer FunnyBubblesPhil

DSC02912

You may also like...

5 Responses

  1. Stefan sagt:

    Lieber Philipp,
    Zunächst nochmals Glückwunsch zu einem abermals großartigen Bericht! Nach dem Genuss einer akzeptablen Flasche südafrikanischen Rotweis -woran Dein
    Blog nicht ganz unschuldig ist- möchte ich doch noch einige Kommentare
    abgeben:
    – Deiner durch Dramamin reduzierten Aufmerksamkeit mag es entgangen sein, dass ich mein Ziel von 60 Bieren mangels abendlicher Gesellschaft knapp verfehlt habe.
    – Der Moment, als Deine GoPro in den Untiefen des Pazifiks versunken ist bleibt auch mir unvergessen. Sie wird bestimmt eines fernen Tages geborgen und gibt den Wissenschaftlern Rätsel auf :-)
    – Zum Thema Walhaie an La Ferreteria: http://youtu.be/p6ya-vKQJ_M

    • Chaos sagt:

      Freut mich das es gefällt. Das mit deiner Mission tut mir leid, ich hab fest an dich gelaubt und bin einfach davon ausgegangen dass du dein Pensum locker erreicht hast. Viele Biere können da ja nicht mehr gefehlt haben :) Das holen wir dannn bei einem Wiedersehen auf einem der sieben Meere nach. Danke auch für das Video aus der Eisenwarenhandlung von unseren beiden Freunden.
      Lass es dir gut gehen und Grüße mir die großen Weißen, die können sich schon mal warm anziehen,hihi.

  2. Suffix sagt:

    lieber phil, habe gerade deine tauchberichte gelesen. das war allerfeinste sonntagabendunterhaltung! viel spaß weiterhin!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *