Indonesien

Nach Neuseeland geht es langsam wieder zurück in Richtung Berlin. Aber es schadet auch nicht wenn man sich für den Weg nach Hause etwa 5 Wochen Zeit und vier weitere Länder vornimmt. Und so ging es von Christchurch über Melbourne, welches sich glücklich schätzen darf den am schlechtesten ausgeschilderten Flughafen mit den meisten Verspätungen sein eigen zu nennen, nach Denpasar auf Bali in Indonesien.

Als ich das letzte mal vor sieben Jahren in Indonesien war, musste ich Bali nach nur drei Tagen verlassen. All diese partysuechtigen Australier in Kuta sind schwer zu ertragen wenn man einerseits in Kuta das erste mal auf Horden von Australiern trifft und sich andererseits auf ein Indonesien fernab von dem ueblichen Tourischmoder vorbereitet hat. Diesmal war das anders. Zum einen waren gar nicht so viele Australier vor Ort und ich hatte ja bereits Erfahrungen im Umgang mit den Mates sammeln koennen und zum anderen erwartete mich Rosi am Flughafen. Rosi ist zusammen mit Gynne vor etwa einem halben Jahr nach Jakarta gezogen. Beide kenne ich aus Berlin und Ihnen gilt auch mein Besuch in Indonesien. Und es tut gut endlich wieder auf bekannte Gesichter zu treffen. Dank Rosis hervorragenden Kenntnissen der indonesischen Sprache löste sich das ansonsten so vortrefflich anstrengende und omnipräsente indonesische Mischmasch in harmlose kleine Stückchen auf. Ohne das ich mich großartig um irgendetwas kümmern musste, waren wir schon am naechsten Tag unterwegs nach Amed im osten Balis. Unterwegs genoss ich die vorbeiziehenden Reisterassen,


(vorbeiziehende Reisterasse)

war jedoch ein wenig irritiert da ab und zu Worte wie Vulkan und Besteigung an mein Ohr drangen. Ich ersetzte diese einfach durch Tauchen und Mangosaft und wand mich wieder den vorbeiziehenden Reisterassen zu.

Nach vier Stunden waren wir im Amed, in einem mondänen Bungalow direkt am Strand


(Fruehmorgendliche Blick vom Bett aus auf das nahe Meer)

und ich fügte meiner Liste der Dinge die ich ändern werde sobald ich erstmal die Weltherrschaft an mich gerissen habe, das jähe Ende der Nicht-Mangosaison hinzu. Und auch wenn man es mir bereits droelfzehnmal gesagt hat, werden ich nicht aufgeben und in jedem Restaurant in jeder Bar und in jedem Hotel auch weiterhin, zumindest den Versuch unternehmen, Mangosaft zu bestellen. Was selbsverstaendlich vollkommen sinnlos ist, da eben nun mal keine Mangosaison war. Aber das nur  so nebenbei. Und waehrend wir vor unserem Bungalow sassen und keinen Mangosaft tranken, sah ich aus dem linken Augenwinkel ein steile Wand empor in den Himmel steigen. Ich machte schnell die Augen zu und wandte mich nach rechts ab. Aber es half nichts, fuenf Minuten spaeter war die steile Wand immer noch da und die Wolken gaben die Sicht auf einen etwa 3200 Meter hohen Vulkan frei.


(Agung, der hoechste und steilste Vulkan auf Bali )

Rosi grinste und bestätigte mir das es sich dabei tatsaechlich um den Vulkan handelt dem die geplante Besteigung gewidmet ist, sobald Gynne eintraf. Meine Beine durchfuhren Schmerzen und die Sinnlosigkeit des Bergwanderns/steigens manifestierte sich immer tiefer in meinen Gehirn. Aber Amed war zum Glück auch ein vortrefflicher Ort um meiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen und mich von dem bischen Vulkan abzulenken. Tauchen!


(auf dem Weg hinaus zum Riff im komfortablen Einbaum)

Im ersten Divecenter empfing uns ein unfreundlicher Holländer mit nervösen Zuckungen. Irritiert von der Unfreundlichkeit des Holländers, seinen Preisen und vor allem seinen permanenten Ganzkörperzuckungen verließen wir ganz schnell dieses Divecenter und freut uns um so mehr als uns wenig später bei Eco-Dive ein immerfröhlicher französischer Rastafari ganz begeistert von den hiesigen Tauchplätzen vorschwaermte. Und so verbrachten wir die nächsten Tage in mitten von wunderschönen Korallengaerten und bunten Fischen.

Nach zwei Tagen gesellte sich Gynne zu uns und zusammen betauchten wir die umliegenden Riffe und Wracks.


(das dynamische Trio, Gynne, Rosi und meinereiner)

Alles haette so schoen sein koennen, doch die Vorbereitung für die Besteigung des Agung liefen auf vollen Touren. Bereits in der Nacht vor der Besteigung wurde ich jäh geweckt um den Agung zu besteigen. Aber es stellte sich heraus das der Guide sich im Datum vertan hatte und einen Tag zu früh auf den Berg wollte. Am Tag der Besteigung war an Schlafen nicht zu denken, zu tief sass der Schock der letzten Nacht. Und um 00:30 Uhr in der Nacht war es dann soweit. Der Guide brachte uns zum einem Kloster am Fuße des Vulkans und wir begannen um ca. 02:00 Uhr mit dem Aufstieg. Nach einigen hundert Meter machte sich die balinesische Ente die wir zum Abendessen verzehrt hatten deutlich bemerkbar. Nach drei Stunden Aufstieg und ca. 500 Meter unterhalb des Gipfels zwangen mich starke Mangenkraempfe zur Aufgabe. Natuerlich ist mir klar das mir das niemand glauben wird, wo ich mich doch bereits allzu deutlich darueber ausgelassen habe wie begeistert ich von der Idee den Mount Agung zu besteigen, war. Aber noch weniger als das Besteigen von Bergen und Vulkanen mag ich halbe Sachen. Und jetzt wo ich schon mal da war hätte ich den Gipfel schon gerne besucht. Aber es sollte nicht sein. Gynne, Rosi und Thorsten setzten den Aufstieg fort während ich es mir unterhalb des Gipfels bequem mache um auf den Sonnenaufgang zu warten. Und bequem ist hierbei direkt proportional zu der Anzahl der Klamotten die man anhat. Denn so ganz ohne Sonne ist es hier saukalt. Eine Stunde später kündigt sich der Sonnenaufgang allmählich an.

Und schon bald stand ich inmitten eines atemberaubenden Schauspiels aus Wolken und Licht.

 


(Ich denke mein Grinsen beweisst das mit der Ente irgendetwas nicht gestimmt hat)

Nachdem die Sonne wieder in der Lage war Waerme zu spenden, machten wir, der Guide und ich, uns an den Abstieg. Der Weg nach unten ist gepflastert mit kaputten Sandalen, welche die indonesischen Pilger zurueckgelassen haben. Unser Guide probiert sie alle aus, und wechselt auf dem Weg nach unten insgesamt drei mal sein Schuhwerk. Ich helfe gerne dabei und mache mit bei der Jagd nach der perfekten Sandale. So vergeht der Abstieg wie im Flug. Nach dem Abstieg, alls alle wieder vereint sind, fahren wir zurück nach Legian und verbringen noch einen gemütlichen Tag zusammen am Strand.

Zu mehr als gemütlich sind wir auch alle nicht mehr fähig. Am nächsten Morgen muss Gynne leider wieder zurück nach Jakarta und Rosi und ich besteigen eine kleine zweimotorige Maschine die uns nach Labuan Bajo auf Flores fliegt. Labuan Bajo ist der beste Ausgangspunkt wenn man vor Komodo tauchen will. Und genau das ist unser Plan. Zudem habe ich hier vor sieben Jahren den weltbesten Tintenfisch in Erdnusssoße gegessen. Nicht weiter verwunderlich dass ich sofort das Gardena ansteuere, jener Ort wo ich vor sieben Jahren so vortrefflich gespeist habe und mir sofort ungeachteter der Uhrzeit eben jenen Tintenfisch bestelle. Und dann nach sieben Jahren ist es endlich soweit und das langersehnte Essen steht vor mir auf dem Tisch und die Tränen in den Augen.


(Tintenfisch in Erdnusssosse – definitiv eine Reise wert)

Die nächsten zwei Tage esse ich nichts anderes.

Labuan Bajo selber hat sich nicht wirklich verändert und ist immer noch ein hübsch hässliches kleines Dorf.


(reges Treiben auf der Haupstrasse von Labuan Bajo)

mit wunderschoenen Sonnenuntergaengen.

Der Ablauf der folgenden Tage ist immer recht ähnlich, in der früh aufs Boot,

zwei bis drei Tauchgänge in einem der besten Tauchspots weltweit, ärgern und fluchen über den Diveguide und das angeborene indonesische Organisationstalent, Abendessen und ein zwei Bierchen mit den sympathischen Mittauchern wobei auch hier wieder die zeitweilige Unfähigkeit der BajoDive Tauchschule thematisiert wird. So etwas schweißt ja bekanntlich zusammen. Aber das Tauchen hier ist wirklich erstklassig und das beste was ich bisher gesehen habe. Da nimmt man dann auch gerne die extrem starken Strömungen in Kauf, die einem durchaus den Regulator (das Ding mit dem man unter Wasser atmet) aus dem Mund stroemen und sich anfuehlen wie plötzlich auftretender starker Wind der einem ins Gesicht blaesst. Und wenn diese Strömungen dann auch noch beschließen einen mal zur Abwechslung nach unten zu ziehen, dann kann dass schon sehr lustig werden, hihi. Nachfolgenden und ohne Umschweife ein paar Impressionen aus der Welt unterhalb von Komodo.


(Sepia, sehr schoen und sehr lecker)


(Ein Schwarm von Jackfisch)

 


(Ein Riff wie ein Aquarium)

 


(Diese Qualle wollte umbedingt mit mir spielen)

 


(Scorpionfish, giftig und reglos, zumindest solange bis man ihm zu Nahe kommt)

 


(Riesenmuraene, auch sehr verspielte Tierchen)

 


(Die Kroenung meiner Tauchgaenge vor Komodo. Ein majestaetischer Manta-Rochen! Leider war die Stroemung viel zu stark und ich hatte schon erhebliche Muehe so Nah hernazukommen, an ueberholen war nicht zu denken.)

 

(Eine Seeschlange – Mit das giftigste Tier unter Wasser!)

Die letzten zwei Tage verbrachten wir ueber Wasser, denn schliesslich hatte ich hier ja auch noch eine Mission zu erfuellen. Und viel zu schnell waren wir wieder zurueck auf Bali wo sich unsere Wege wieder trennten. Rosi musste zurueck nach Jakarta und ich bereitete mich auf meinen Weiterflug nach Vietnam, wo Pedro schon auf mich wartete, vor.


(Pedro uebt schon mal das Abholen meinerseits vom Flughafen)

Aber ich war nicht das letztemal hier, Gynne und Rosi

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1 Response

  1. Feedbackboy sagt:

    Yo Philipp…
    arrrh…wie kannst du in so einer Gegend überhaupt auf n Berg steigen?
    Stay underwater…

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