Good morning Vietnam

Von Bali ist es ein zwei ein halb Stunden Flug nach Singapur wo ich die Nacht verbringen darf um in der Früh weiter nach Ho Chi Minh City (Saigon) zu fliegen. Und es gibt wirklich schlimmere Orte als den Flughafen von Singapur um die Nacht zu verbringen. Hier gibt es nicht nur einen wunderschönen Swimmingpool auf dem Dach, ein Fitnesscenter, Sauna, Spa- und Wellnessbereiche, mehrere Kinos, kostenloses Internet

und mannigfaltige Shoppingmoeglichkeiten. Per Zufall erfahre ich, dass mein Gepäck, entgegen der Behauptung der indonesischen Quantasmitarbeiterin, nicht automatisch auf meinen Weiterflug am naechsten Tag eingecheckt wird. Wenn ich allerdings mein Gepäck abholen will, muss ich die Transferzone verlassen und sozusagen nach Singapur einreisen. Das wiederum impliziert aber, dass ich die Nacht außerhalb vom Flughafen verbringen muss, da der Check-in erst um 06.00 Uhr öffnet und ohne Boardingticket komme ich nicht wieder in den Flughafen. Dabei mag ich doch Zufälle an sich recht gerne.

Die freundliche Dame an der Information beruhigt mich, und meint dass sei kein Problem, mein Gepäck wird solange im Lost&Found verwahrt. Da ich bereits mehrfach in Asien war und mein Vertrauen in das asiatische Organisationstalent in der Vergangenheit ein wenig gelitten hat, telefonierte ich noch dreimal mit dem Lost&Found und versuchte sicherzustellen, dass sich irgendjemand um mein Gepäck kümmert. Kein Problem mein Gepäck sei bereits abgeholt worden und steht fuer mich bereit, war die Aussage bereits beim zweiten Telefonat.

Den Flughafen zu verlassen kommt für mich nicht in Frage. Zum einen bietet die Transferlounge alle Annehmlichkeiten für eine geruhsame Nacht, und zum anderen wird mir ganz bange um mein Budget angesichts der feilgebotenen elektronischen Geräte alleine auf dem Flughafen und ich wage es kaum mir vorzustellen was man alles in Singapur selber kaufen könnte. So vertraue ich darauf, dass mein Gepäck beim Lost&Found ist und versuche kein Mp3Player, Solarakku, ferngesteuerte Roboter u.a. zu kaufen. Stattdessen lasse ich mir lieber die Fuesse massieren, selbstverständlich kostenlos.

Nach ein paar Stunden Schlaf, verlasse ich die Transferzone und reise nach Singapur ein um mein Gepack zu holen. Allerdings besitzt der Lost&Found keinerlei Kenntniss über den Verbleib meines Rucksacks und meint ich hätte doch anrufen sollen. Ich vermeide diese Diskussion und mache mich selbständig auf die Suche. Sehr bald schon finde ich meine Rucksack einsam und verlassen auf dem Gepäckband, wo er schon die ganze Nacht gelegen hat.

Zusammen mit meinem Rucksack, den anscheinend nur ich haben will, checke ich ein und zwei Stunden später landet das Flugzeug in Saigon – Vietnam.

Saigon hat nicht mehr viel von dem Flair der franzoesischen Besatzung. Wo von es allerdings jede Menge hat sind Mopeds. Man bekommt den Eindruck, dass sämtliche Insassen Saigons (Ho Chi Minh City) gleichzeitig auf eben jener Strasse unterwegs sind die man selber gerade überqueren möchte.

 

Unweigerlich fragt man sich wo den diese Blechlawine hin will. Später erfahre ich, dass das Mopeds für ein frisch verliebtes Pärchen der einzige Zufluchtsort vor den Eltern sind. Das erklärt ungefähr die ersten 100.000 Mopeds die gerade vorbeifahren, aber wo die anderen 428.967 hinwollen habe bis heute nicht herausgefunden. Der Verkehr ist auf jeden Fall enorm, und gehorcht seinen eigenen Regeln. Alleine der Versuch die Straße zu passieren ist Anfangs mehr eine Sache von Augen zu und durch. Später wenn man den Bogen raus hat, macht es auf eine gewisse masochistische Art Spaß. Der Trick beim überqueren einer Straße ist, sich langsam und kontinuierlich durch den vorbeifließenden und ständig hupenden Verkehr zu bewegen. Man sollte auf keinen Fall hektische Bewegungen machen, stehen bleiben oder sich auf halbem Weg überlegen dass es im Hotel doch viel schöner ist und umkehren. Solche, für die anderen Verkehrsteilnehmer vollkommen unvorhergesehenen Manöver, führen zu einem unansehnlichen Ende der eigenen Existenz. Über den Verkehr in Saigon könnte man ganze Abhandlungen verfassen und ich bin mir sicher, dass dies bereits jemand getan hat und verweise fuer weitere Recherchen auf eben jene Enzyklopädie Traffica Diabolica.

Da mein Gesicht bereits ein wenig eingewachsen war

beschloss ich mir meinen Bart bei einem, diesmal professionellen Friseur, stutzen zu lassen. Und etwas besseres haette mir nicht passieren können. Schon wenige Augenblicke nach dem Betreten des Hair-Saloons, der sich durch das Vorhandensein von professionellem Friseurzubehör deutlich von einer Sandalenmanufaktur unterschied, scharrten sich drei vietnamesische Mädchen, jeweils mit einem Rasiermesser bewaffnet, um mich und begannen leise vor sich hin kichernd mit dem chirurgischen Eingriff. Nach etwa einer drei viertel Stunde waren Sie mit der Rasur zufrieden und mein Gesicht war glatter als ein Babypopo.

Anschließend wurden mir noch die Haare gewaschen und der Kopf massiert. Ich beschloss hier nie wieder weg zu gehen.

Wenig später machten wir uns in Richtung Norden nach Hanoi auf, wo ich noch eine Mission zu erledigen hatte.

 

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