Auf Frodos Spuren

Nach dem illusteren Zeitvertreib in Rotorua, fuehlte ich mich bereit fuer einen kleinen Fussmarsch und frische Luft. Da bot es sich an, dass suedlich von Rotorua, vorbei am Lake Taupo Neuseelands beruehmtster Tagesmarsch, darauf wartete von mir bewaeltigt zu werden. Ich machte einen kleinen zweitaegigen zwischenstopp in Taupo und genoss nicht nur kristalklare Fluesse,

sondern auch heisse Wasserfaelle. Der Vorteil hier war, das das heisse Wasser, und folglich man selber, nicht nach Schwefel stinkt.

Ansonsten ist Taupo eine Paradies fuer Angler. Da ich dem leichten Schwefelgeruch der nach wie vor an mir haftet nicht auch noch eine Note Fisch hinzufuegen wollte, hatte Taupo, ausser einer hervoragenden Eisdiele nicht viel zu bieten und war zudem mit Touristen ueberlaufen. Und so war ich bald nach meiner Ankunft wieder auf der Strasse unterwegs, gen Tongariro. Und da ich bereits wusste wie man in Neuseeland Auto faehrt konnt ich Gegenmassnahmen einleiten und hatte einen entspannten Trip. Man muss wissen, das die Neuseelaender eigentlich gar nicht Autofahren koennen. Sie haben einfach die ganze Zeit nur verdammtes Glueck, das nichts passiert. Und wenn dann doch was passiert endet es meist mit katastrophalen Folgen. In Ortschaften halten sich alle brav an die vorgeschriebenen 50 km/h. Sie haben allerdings, so scheint es jedenfalls, enorme Probleme Entfernungen einzuschaetzen. Das fuehrt dazu, das Sie beim Einbiegen in eine Strasse nicht darauf warten bis eine Luecke den Einbiegevorgang zu Genuege nterstuetzt. Nein, Sie fahren einfach drauf los und ueberlassen es dem ntgegenkommenden Verkehr und dem Schicksal ob es klapt oder Sie in wenigen Augenblicken nur noch von sinnlos gewordenem Blech umgeben sind. Viel schlimmer wird es allerdings ausserhalb von Ortschaften, hier herrscht ein Tempolimit von 100 km/h und um nichts in der Welt faehrt der Neuseelaender auch nur ein km/h darunter. Und seine Absicht sich eben ganz genau an die vorgeschrieben Geschwindigkeit zu halten, signalisiert er mit unweigerlich dichtem Auffahren. Dabei spielt es keine Rolle ob die eigene Tachonadel bereits die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 100km/h fixiert hat oder auch nicht. Man wird unweigerlich ueberholt. Daran kann man sich ja gewoehnen. An was ich mich aber nicht gewohnen kann ist, wenn Lastwagenfahrer das selbe Verhalten aufweisen. Wenn sich ein solcher Bolide, bei 100 km/h, einen Meter hinter einem platziert hat, dann bekommt der Spruch ¨Wer bremst verliert¨ eine ganz neue Bedeutung. Und um so suedlicher man kommt um so schlimmer wird es. Mittlerweile fahre ich nur noch max. 80km/h, sozusagen als Demonstration, einer muss ja mal den Anfang machen. Und wenn man sich dann noch abgewoehnt in den Rueckspiegel zu schauen, steht einer entspannten Autofahrt nichts mehr im Wege. Und so kam ich nach einigen Stunden, entspannt in Whakapapa Village an. Dem Ausgangsort fuer die alpine Besteigung von Mt. Tongaririo.

Es gibt einen Shuttlebus der einen am Campingplatz abholt und zum Ausgangspunkt faehrt und anschliessend am Ende des Weges wieder abholt. Dieser faehrt taeglich um 07:00, 08:00 und 09:30 in der Frueh. 09:30 erschien mir frueh genug. Und nachdem ich mir noch eine einstuendige Jagd in meinem Bus mit ner Kakerlake geliefert habe genoss ich die wenigen Stunden Schlaf die mir blieben. Nach eine durchfrorenen Nacht, immerhin war ich ja hier im Gebirge und Nachts sinkt die Temperatur deutlich unter die Wohlfuehlgrenze, lagen ca. 19km Weg und ueber 1200 Hoehenmeter vor mir. Die benoetigte Zeit wird mit 8-10 Stunden veranschlagt. Nur wenige Minuten nach dem Start, war die Gruppe mit der ich aufgbrochen bin bereits weit abgeschlagen und ich mit festem und schnellen Schritt auf dem Weg in die Berge, auf Frodos Spuren.

Der Berg den ich dabei war zu besteigen, war genau die Gegend, die Peter Jackson fuer den Mount Doom und Mordor auserkoren hat. Man sieht den Mount Tongariro deutlich in der Eroeffnungssquenz vom ersten Teil der ¨Herr der Ringe¨ Triologie, kurz bevor dem dunklen Herscher der Ring mitsamt Finger von der Hand getrennt wird. Das Hereinbrechende schlechte Wetter und tiefhaengende Wolken, machten mich zu Beginn etwas missmutig, vervollstaendigten aber allmaehlich das Bild von Mordor.

Und waehrend das Gelaende langsam anstieg, hatte ich bereits mehrere Gruppen von Hobbyalpinisten ueberholt und war auf dem Weg zum ersten wirklich grossen Anstieg. Wo sich Scharren von den eben erwahnten Hobbyalpinisten auf den Aufstieg vorbereiteten. Die 700 Euro teuren GoreTex-SuperLeicra-Klamotten wollten zurechtgerueckt und der Koerper gegen die Witterung abgeschottet werden. Die unvermeidlichen Wanderstoecke aus Kevlar fest umschlungen, nahmen Sie mich mit meiner Kurzen Hose, argwoehnisch war, als ich an ihnen vorbeihuschte. Ich war auf einer Mission. Ich wollte die 07:00 Uhr Gruppe einholen. Und so motiviert ueberholte ich ein Dutzend eben jener perfekt ausgestatter  Amateuralpinisten in der ersten Steigung, immrhin 450 Hoehenmeter in unwegsamen Gelaende. Ich eroierte nochmal den Sinn von Wanderstoecken, konzentrierte mich dann auf lange Hosen und war anschliessend mit mir im Reinen, dass Bergsteiger komische Menschen sein muessen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemanden immensen Spass macht den ganzen Tag bergauf zu laufen. Klar der Ausblick ist herrlich, aber haben wir genau aus diesem Grund nicht das Auto und diverse Fluggeraete erfunden? Ich habe absolut nichts gegen Bewegung und Sport. Nur bergauf in diesen Ausmassen ist absolut nicht mein Ding und ich wuenschte mir meine Enterprise herbei. Verwarf den Gedanken aber schnell wieder, immerhin war ich ja auf einer Mission. Oben angekommen, fragte ich die Leute die ich hinter mir gelassen habe, wann sie den aufgebrochen sind. Und siehe da, die 08:00 Uhr Gruppe war geschlagen. Der Wind nahm drastisch zu und ich beglueckwuenschte mich dazu, meine Jacke einzupacken.

Der Weg fuehrte nun Mitten durch die Wolken auf flachem  Gelaende. Die Sicht war nicht besonders aber auf der Ebene konnte ich Zeit gewinnen und weiter aufholen. Nach einigen Kilometern, dann der naechste markante Anstieg zum Gipfel. Schon von weitem war, trotz Wolken, die bevorstehende Pein klar zu erkennen.

Der Wind nahm immer mehr zu und die Sicht reduzierte sich auf unter 50 Meter. Der Anstieg lief am Grad antlang. Und schon nach einigen hundert Metern hatte ich das letzte verbliebene bischen Verstaendniss fuer Bergsteiger verloren. Der Grad war relativ schmal und der Wind mittlerweile so stark, dass man scchraeg laufen musste um nicht schnurrstracks vom Berg zu laufen/fallen. Zum pausieren versteckte ich mich hinter Felsen und genoss die Windstille und war mir nicht mehr ganz so sicher ob ich das richtige Beinkleid gewaehlt habe. Beschloss aber, nur weil ich der einzige in kurzen Hosen war, ist das noch lange kein Anzeichen von schlechter Planung. Das ist einer der Vorteile von einer uberhaupt gar nicht vorhandener Planung. Als die Sicht nun weit unter zehn Meter lag und der Wind immer staerker wurde, kam mir die ersten gescheiterten Hobbyalpinisten entgegen. Mindestens ein drittel machte auf dem Gard kehrt und gab sich dem Berg geschlagen. Vielleicht ist ihnen auch eingefallen, dass sie vergessen haben die exra fuer diesen Trip angeschafften Thermoknoechelwaermer anzuziehen und ein weiteres Besteigen ohne Knoechelwaermer einfach nicht drin ist. Ich muss zugeben, dass auch ich daran dachte umukehren, da ich mir nicht sicher wie lange dieser Aufstieg noch dauert. Sollte sich dieser Aufstieg gepaart mit dieser Witterung noch laenger als eine Stunde hinziehen, war ich mir sicher vielleicht doch unangepasst bekleidet zu sein und wenn alles gut laeuft nicht unter einer ordenlichen Grippe davonzukommen. Und Grippen mag ich noch weniger als Bergsteigen. In diesem Moment gesellte sich eine aelter Dame zu mir hinter den Felsen. Sie hatte die Loesung in Form einer Karte parat. Aus der Karte ging hervor das wir bereits den groessten Teil hinter uns gelassen haben und kurz vor dem Gipfel waren. An Umkehren war nun nicht mehr zu denken. Kurz bevor uns die Wolken wieder trennten, fragte ich sie um wieviel Uhr sie aufgebrochen ist. Sie antwortete ¨Um sieben¨. Daraus schoepfte ich neue Kraft und ignorierte bei der anschliessenden eigene Lobhudelei gekonnt, dass die Dame weit ueber 70 Jahre alt war. Und nach einem verfluchenswerten Aufstieg hatte ich den Gipfel erreicht. Der rote Krater des Vulkans Tongariro (ca. 2000m)

Von nun ab ging es nur noch Bergab. Kaum war ich hinter dem Gipfel/Krater, nahm der Wind auch deutlich ab und meine Laune sowie Luftzufuhr in selbem Masse zu. Ein wenig unterhalb des Kraters, nahe bei den Schwefelseen

machte ich Rast und genoss den Ausblick der sich einem offenbarte wenn mal zufaellig keine neuen Wolken ueber den Gipfel fegten.

Das war leider nur sehr selten der Fall und um den Ausblick in seiner vollkommenen Gesamtheit, d.h. horizontal von rechts nach links, zu geniessen blieb ich dort mehr als 40 Minuten entspannt rastend und verspeiste das noch schnell in der Tankstelle am Tag zuvor gekaufte Sandwich.

 

Gestaerkt machte ich mich auf den Abstieg. Und es ist beeindruckend wie sich die Landschaft, bzw. der Berg wandelt. Nach einigen hundert Hoehenmeter war aus dem garstigen Vulkan ein ansehlicher von Grass bewachsener Berg geworden.

Der Ausblick war fantastisch und man konnte auch wieder an manchen Stellen den blauen Himmel sehen. All das war harmonisch und sehr inspirierend.

Wohingegen mich der Abstieg als solches nur zu neuen Fluechen und Schimpfwoertern inspirierte. Einen grossteil des Abstiegs widmete ich der Frage, was den letzenendes schlimmer war bergauf oder bergab zu laufen, allerdings ohne nennenswertes Ergebniss, wobei ich im Nachhinein zu lezterem tendiere. Und waehrend ich die einzelnen Argumente abwaegte verlor ich wohl fuer einen Augenblick die Umgebung aus dem Auge, und als ich mich das naehstemal umschaute war ich bereist wieder von dichtem tropischem Wald

und Wasserfaellen umgeben.

Um kurz vor drei war ich am Ende des „Tongariro Alpine Crossing Track¨ angekommen und verpasste, danke der vorgetaeschten Blindheit und verfestigter Sturrheit des Fahrers in den Rueckspiegel zu blicken den punkt drei Uhr Shuttlebus. Alle Leute um mich herum werden mich nun als den jenigen in Erinnerung behalten, der direkt im Anschluss an eine durchaus anstrengende Bergtour, handtuchschwingend einem abfahrenden Bus hinterher rannte.

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4 Responses

  1. Aileen sagt:

    wauhhh flip, ich hab mal fast deine gesamte tour heute als morgenlektüre gelesen. ist ein hammer- ich hoffe du nimmst dir nicht das leben wenn du wieder in berlin bist! Also einerseits vor langer weile und andererseits weil du keine ziele und missionen mehr hast (naja vielleicht hält dich samoa noch am leben)!!! Viele liebe grüße und viel spass in Inonesien

  2. Aron sagt:

    Hey Philipp!
    In Neuseeland gibts da sone (verdammt bloede, unlogische) Regel beim Autofahren. Irgendwie muessen sie ja doch noch etwas anders machen als der Rest der Welt und vor allem als Australien.
    Wenn du auf einer Strasse nach rechts abbiegen willst, hast du vor dem Verkehr Vorfahrt, der in die gleiche Strasse links abbiegen will. Wenn dir allerdings einer entgegen kommt, also nicht abbiegt, und du rechts abbiegen willst, musst du warten, wie auch bei uns… Klingt komisch, is aber so 😛

  3. Chaos sagt:

    @Aileen
    Freut mich das du die Zeit gefunden hast dich durch meinen Blog zu lesen. Ich denke mal ich komm mit Berlin klar und Mission fallen mir noch und noecher ein. Und wenn es ganz schlimm wird gibt es ja noch ungefaehr weitere 164 Laender die darauf warten bereist zu werden.
    No worries!

  4. Chaos sagt:

    @Aron
    Und was fuer eine bescheuerte Regel das ist. Macht ueberhaupt keinen Sinn. Konnte auch niemanden finden, der mir den Sinn dieser Regel erklaerenn koennte. Zudem gibt es sie auch erst seit ungefaehr 25 jahren. Wie auch du vermute ich das Neuseeland diese nur eingefuehrt hat um sich vom Rest zu unterscheiden und somit die bescheuerste Verkehrsregel der suedlichen Hemisphaere hat. Hoffe bei euch in Downunder ist alles suppi, viel Spass in Thailand!!

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