Too Machu Picchu

Während der letzten Wochen in Peru, manifestierte sich die alte Inka Stätte Machu Picchu zu einem Götzen. Ist es doch der Gral aller Perureisenden. Jeder den ich bisher in diesem Land getroffen habe ist auf dem Weg dorthin oder kommt gerade vom Machu Picchu. Dies ist auch der Grund warum die UNESCO die peruanische Regierung gezwungen hat den Besucherstrom zu beschränken. So dürfen aktuell nur 2500 Personen pro Tag hinauf zum Machu Picchu. Der berühmte Inkatrail ist sogar auf 450 Personen pro Tag begrenzt. Unter den Reisenden kursieren wundersame Gerüchte wie, wann und von wo aus man am besten zum Machu Picchu vordringt. Am beliebtesten ist es den 4 tägigen Inkatrail zu wandern um dann am vierten Tag zum Sonnenaufgang am Machu Picchu anzukommen. Klingt romantisch, hat aber ein paar Haken. Zum einen befinden wir uns gerade in der Regenzeit. Zum anderen ist man mit 450 anderen Leuten unterwegs. Was aber viel wichtiger ist, ich finde Wandern in den Bergen einfach doof. Mal nen Tag ist ok, aber mehr auch nicht. Daher ist das keine Option. Meine beiden desolaten Knie stimmen mir zu.

Ansonsten fährt man mit dem Zug nach Aguas Calientes, einem kleinen Dorf unterhalb von Machu Picchu. Von Cusco aus braucht der Zug ca. 3 Stunden und kostet in der günstigsten Klasse knapp 200$. Die meisten Leute übernachten dann in Aguas Calientes, um möglichst als Erstes hinauf zum Machu Picchu zu gelangen. Das wissen die Leute in Aguas Calientes auch, und die Preise die dort für Essen und Schlafen verlangt werden sind einfach eine Frechheit, anlog zu den Zugtickets. Zudem braucht es ja auch noch das Ticket für Machu Picchu als solches und wenn man nicht unbedingt 2 Stunden hinauf zum MP steigen will, bietet für 50$ der Shuttelbus bereitwillig seine Dienste an. So ist man für einen Besuch beim Machu Picchu schnell mal bei 400-500$. Darauf haben Ben und ich keine Lust.

Eine weitaus entspanntere Variante ist die Route über Ollantaytambo. Welch Zufall. Zudem befinden wir uns gerade in der low season was den ganzen Heckmeck mit der Ticketreservierung und rechtzeitigem Buchen deutlich vereinfacht und meiner Null Plan Strategie entgegenkommt. Da kann man auch mal spontan beschließen zum Machu Picchu zu fahren. Und genau das tue ich für den nächsten Tag. Leider sind die Zugtickets in der Expedition-Klasse (Backpacker) bereits ausverkauft und so buche ich meine Reise im Vistadom einem Panoramawagon der Eisenbahnlinie für summasummarum 150$. Eines der 2500 Tickets für den Eintritt hole ich mir dann direkt in Aguas Caliente. Sofern noch vorhanden, aber die Chancen stehen gut.

Jetzt ist noch die Sache mit dem Sonnenaufgang zu klären. Auch ich habe den Wunsch den Sonnenaufgang am Machu Picchu zu erleben. Zum Glück belehren mich die Einheimischen eines Besseren. Sowas wie Sonnenaufgang gibt es am Machu Picchu nicht. Bis die Sonne über den Bergspitzen hervorlugt, kann man nicht mehr von Sonnenaufgang reden. Zudem wollen das ja wie schon geschrieben alle. So dass die frühen Morgenstunden die geschäftigsten am Machu Pichu sind. Ich streiche den Sonnenaufgang von meiner Wunschliste, was sich als absolut die richtige Entscheidung heraustellen sollte.

Mit dem Kauf der Tickets ist mein Tagespensum für sinnvolle Tätigkeiten erfüllt und ich habe Zeit mich von Luciano in die Kneipenkultur von Ollantaytambo einführen zu lassen. Und so gehen wir auf ein Bierchen in die Kneipe namens Ganso. Und diese Kneipe ist einen eigenen Blogeintrag wert. Selbst nach 16 Jahren intensivster Berliner Kneipenkultur, sowas wie das Ganso hab ich noch nie gesehen. Würde man diese Kneipe so wie sie ist nach Berlin verfrachten wäre sie innerhalb weniger Wochen weltberühmt. Wir sind hier aber nicht in Berlin sondern am Arsch der Welt, mitten in den Anden. Beim Betretten vermutet man eine veruchte Hippiebar und das stimmt soweit auch. Aber dann war da noch Cinderella die den Boden schrubt, eine Feuerwehrstange aus Holz mit der man vom ersten Stock an die Bar hinunterrutschen bzw. später am Abend fallen kann.

Rutschen oder fallen, je nach Gusto.

Rutschen oder fallen, je nach Gusto.

Der erste Stock ist behangen mit Traumfängern und alle Tische sind schwebend aufgehängt. Im Dach befinden sich noch zwei Bretterverschläge die genutzt werden können um sich näher zu kommen. Wie gesagt mit ein paar einfachen Worten lässt sich diese Bar nicht beschreiben, aber es ist die mit Abstand verückteste Hippiebar die ich je gesehen habe. Leider trägt das Ambiente auch dazu bei, mehr als nur ein Bier zu trinken. Und nach der fünften Runde bin ich froh auf den Sonnenaufgang am Machu Picchu verzichtet zu haben. Der wäre dann auch schon in vier Stunden. Ich rutsche lieber die Stange runter und wir bestellen noch eine letzte Runde. Und wenn ihr mal in Ollantaytambo seit, dürft ihr diese Bar auf keinen Fall missen.

Am nächsen Morgen reise ich in einem Wagon mit Fenster respektive Panoramawagon, zusammen mit Japanern und Amis gen Aguas Calientes. Die Landschaft beginnt sich zu verändern je tiefer wir kommen und schon nach 40 Minuten fahren wir durch dichten Dschungel und haben die Berge hinter uns gelassen.

Aguas Calientes, ein teures Pflaster.

Aguas Calientes, ein teures Pflaster.

Am Bestimmungsort angekommen kaufe ich mir ganz gemählich mein Ticket für Ruine und Bus und gegen 10:30 Uhr bin ich oben am Machu Picchu. Und was soll ich sagen, der Anblick ist fantastisch. Ich kann jetzt absolut nachvollziehen warumso ein Hype um diese heilige Stätte der Inkas gemacht wird. Ich engagiere mir einen Guide und zusammen stiefeln wir zwei Stunden lang durch die Ruinen, während sich der Nebel langsam aber stetig hebt und immer mehr von diesem Prachtbau preisgibt. Erstaunlicher Weise ist fast nichts los. Und ich sehe tatsächlich mehr Ruine als Menschen, was hier, so mein Guide eher selten der Fall ist.

 

Endlich angekommen!

Endlich angekommen!

Diese Ruinen sind so perfekt an die Umgebung angepasst. Überraschend, dass die Inkas nur zum feiern hier her gekommen sind. Dauerhaft gelebt haben hier nur wenige. Ich lerne viel über den Aufbau und die einzelnen Teile des Komplexes. Bin aber auch froh als die Tour zu Ende ist und ich endlich das klassische Foto von Oben mit dem Huyanapicchu im Hintergrund machen kann. Das bereits etliche Leute anstehen, merke ich nicht und mach einfach mein Foto. Sehr zum Argwohn von ein paar Amis. Halte mich aber nicht lange auf und eile hinauf zum Sungate, sehr zur Freude selbiger Amis. Das Sungate befindet sich etwa eine Stunde zu Fuß den Berg hinauf. Und bietet eine fantastischen Ausblick auf Machu Picchu und die umliegenden dschungelbewachsenen Berge. Am Sungate angekommen, bin ich tatsächlich eine ganze Zeit lang der einzige. Tummeln sich hier sonst Horden von Touris und kämpfen um die besten Plätze für ein Foto, hab ich das alles für mich alleine. Insgesamt verbringe ich über neun Stunden am Machu Picchu. Ich bleibe bis zum Schluß und gegen 1600 Uhr, um 1700 ist Schluß, bin ich fast alleine mit diesem wahren modernen Weltwunder. Alles richtig gemacht!

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Wenn sich die richtige Sternenkonstelation in den beiden mit Wasser gefüllten Schalen spiegelt, was man auch das Datum.

Wenn sich die richtige Sternenkonstelation in den beiden mit Wasser gefüllten Schalen spiegelt, was man auch das Datum.

Der Ausblick vom Sonnentor.

Der Ausblick vom Sonnentor.

Hier wohnten die Leute niederen Standes.

Hier gehts zum Huyanapicchu. Dem großen Berg im Hintergrund.

Eine Sache möchte ich euch nicht vorenthalten. Es könnte sich um die größte Entdeckung seit der Freilegung der Ruine handeln. Als ich im Licht der schwindenden Sonne die Aussicht genieße, fällt mir am rechten Rand ein Gebäude auf. Das Gebäude scheint sich mit der vorderen Kante vom Boden abzuheben. Ich reibe mir verwundert die Augen. Und tatsächlich, vor mir schwebt am Machu Picchu ein Gebäude halbseitig in der Luft.

Eine Sensation!

Eine Sensation!

 

Das Schauspiel währt nicht lange, aber lange genug um eine paar Bilder davon zu schießen. Das ist jetzt schon die zweite bedeutende archäologische Entdeckung die ich hier in Peru mache und frage mich ob es auch einen Nobelpreis für Archäologie gibt. Wenn dann hab ich mir den jetzt redlich verdient. Und während ich mir im Geiste meine Dankesrede zurechtlege, verlasse ich als letzter Besucher dieses wahrhaftige und wunderschöne Monument einer vergangenen Kultur.

Euer BinghamPhil

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2 Responses

  1. Mia Liebl sagt:

    Panamahut ab…….den Nobelpreis wäre wohlverdient und ..praktisch,wenn du schon im Stockholm bist in Mission Nobelpreis -Literatur…..bis bald…denk an meine Mission…..Mama Mia

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