Cusco und andere Steine

Puno ist nicht nur zeitweise die Hauptstadt der peruanischen Volklore sondern auch die letzte Stadt vor Bolivien. Die hälfte des Titicaca Sees gehört zu Bolivien und wenn man den vielen Reisenden die mir bisher begegnet sind glauben schenken mag, auch die schönere Hälfte. Zudem hat es in Bolivien neben der gigantischen Salzwüste Salar de Uyuni, die übrigens ein Übrigbleibsel des einstmal sehr großen Salzwasser Sees Titicaca ist, auch die berühmte „Death Road“ die man mit dem Mountenbike in bester downhillmanier bezwingen kann. Alles sehr reizvoll, aber irgendwie zieht es mich nicht nach Bolivien und schon gar nicht noch höher hinauf. Und so streiche ich Bolivien von meiner imaginären Reiseroute, stelle sogleich fest das es gar nicht darauf vermerkt war und organisiere aufatment meine Abfahrt nach Cusco. Dem touristischen Mittelpunkt Perus und Hauptstadt des einst gigantischen Inkareichs. Zudem liegt Cusco auf 3500m und somit knapp 300 Meter tiefer als Puno, was sich förderlich auf meine Höhenkrnkheit auswirken kann. Somit steht mir wieder eine fantastische Fahrt mt dem Nachtbus von Puno nach Cusco bevor. Diemals jedoch mit BoliviaHop die mich als aktiven PeruHopper kostenlos nach Cusco mitnehmen. Auch sonst unterscheidet sich BoliviaHop nicht von der peruanischen Tochter. Ausser das die Buse der Bolivia-Linie über einen geringeren Sitzabstand verfügen, aber das sollte ich erst viel später herausfinden.

In einem der vielen Restaurants treffe ich auf die Insassen des BoliviaHop Busses und sind die Reisegruppen sonst erstaunlich heterogen, blickt mich nun eine homogene Gruppe von 20 jährigen Mädchen, vornehmlich aus England, beim Betreten der Lokalität an.

Vor zwanzig Jahren hätte ich mich noch gefreut, aber jetzt sehe ich einfach nur eine Ansammlung von vermeintlichen Lärmquellen die mich die ganze Nacht mit heller Stimme und nichtssagende Floskeln vom Schlafen abhalten wollen. Doch zum Glück ist die Gruppe schon seher lange auf den Beinen und zwischen den Zeilen kann man den Wunsch nach Schlaf heraushören. Damit ist mein Gegener für die kommende Nacht einzig und allein der mir zur Verfügung stehende nicht vorhandene Platz.

Doch diesmal hatt die Enge sich Verstärkung besorgt. Kumpel Kälte hat versprochen Enge heute zu unterstützen. Das hat zur Folge, dass sich bei jedem halbstündigen Positionswechsel nun auch noch Kälte mit mir die Decke teilt. Aber ich bin nicht der einzige, hört man doch aus verschiedenen Richtungen immer wieder ein Wimmern und Schluchzen.

Gegen 0500 Uhr in der Früh erreichen wir Cusco. Ich kann es kaum erwarten aus dem Seufzerbus zu entkommen. Und langsam freunde ich mich auch mit der Uhrzeit an, scheint sie doch eine feste Größe auf meiner Reise zu sein. Ein Taxi bringt mich zu meinem Hostel und wir fahren durch die leeren Strassen Cuscos. Alles hier erinnert irgendwie an Arequipa nur ein wenig touristischer. Und der erste Eindruck sollte sich in den nächsten Tagen bewahrheiten. Man kann kaum einen Schritt in der Stadt tun ohne ständig zum Konsum von Touriramsch animiert zu werden. Und tatsächlich bietet die Stadt doch alles was das Touriherz begehrt. Auch einen McDonald. Und ja ich war dort, gleich am ersten Tag und es hat mir geschmeckt und ich werde es wieder tun, ha.

Das ist Cusco von oben...

Das ist Cusco von oben…

 

...und Cusco von unten.

…und Cusco von unten.

Darüber hinaus ist die Stadt voll von alten Inkaruinen und historischem Allerlei. Und genau das ist zur Zeit mein Problem. Zu meiner eher zurückhaltenden Begeisterung für Ruinen und kaputten Steinen gesellt sich aktuell eine gewisse Reisemüdigkeit. Was alles in allem eine recht unmotivierte Mischung ergibt. Und so beschließe ich die nächsten Tage nichts zu tun und die Seele baumeln zu lassen. Enfach mal sehen wohin es mich treibt. Und es kristalisieren sich zwei Hauptriebwege heraus. Auf der einen Seite ist der Amazonas, auf der anderen Machu Picchu. Zeit habe ich genug um beides zu bewerkstelligen.

Aber die weitere Planung muß auf später verschoben werden, hatt der Herbergsvater Miguel für heute eine ganz besonderen Abend geplant. Neben traditonellem peruanischen Essen, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe, hat er auch eine befreundetet Band eingeladen. Ich erzähle ihm von meine Erfahrung mit der letzten peruanischen Band in Chivay. Aber er verspricht mir, das diese Band anders sein wird. Und ja, er sollte recht behalten. So wie ich peruanische Musik an diesem Abend erleben durfte, macht es Spaß. Und einige Stunden und eine Flasche Rum später, jamen wir alle zusammen. Das Highlight dabei ist ein Inder der sich mit seiner Madoline mit einem peruanischen Mandolinenspieler dueliert. Es werden Geschichten erzählt und Familienbilder ausgetauscht. Und kurz bevor die Sonne aufgeht, geht auch ein fantastischer Abend zu Ende.

Als ich gegen Mittag mein Bett verlasse, ist nicht nur die Höhenkrankheit pase, Alkohol scheint entegen der Lehrmeinung hier einen positiven Einfluß zu haben, sondern mir ist sogar nach einem Ausflug zu irgendwelchen Ruinen zumute. Welch Glück, dass sich nur knapp 15 Minuten Fußmarsch vom Hostel entfernt sogar ganz ansehnliche Inka Ruinen befinden. Ich mache mich auf den Weg. Es ist ein steiler Weg und keuchend mit einer Latenz zum Seitenstechen komme ich an. Vielleicht hätte ich ja doch auf eines der vielen Angebote mit dem Pferd zu reiten eingehen sollen. Egal, nun bin ich hier. Einer alten Inka Residenz. Es ist immer wieder erstaunlich wie die Inkas die rießigen Steine, manche sind über drei Meter groß, hier her geschleppt haben. Zum Teil verdanken die Inkas ihre Bauten einer Art freiwilligen Dienst. Jeder musste zwei Monate im Jahr für die Allgemeinheit ran. Und das bedeutete eigentlich immer Steine schleppen und behauen. Damit stand aber dem Inkavolk eine ungeheuer Arbeitsleistung zur Verfügung.

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Auf meinem Weg duch die Archeologische Städte stoße ich in der Mitte auf einen großen Felsen in den große wellenförmige Bahnen gehauen wurden. Die Wissenschaft rätselt bis heute was es damit auf sich hat.

Der Fels des Anstoßes

Der Fels des Anstoßes.

Zum Glück bin ich hier um zu helfen. Mir ist nach wenige Augenblicken klar was das hier war und ich helfe der Wissenschaft doch gerne. Wissenschaft aufgepasst, es handelt sich um einen antiken Freizeitpark. Und um meine These zu untermauern folgt die praktische Beweisführung auf dem Fuße. Und was soll ich sagen, es funktioniert ganz hervoragend. Und so rutsche ich um der Wissenschaft willen die einzelnen Bahnen hinunter. Science rules!

Inka-Rutsche

Inka-Rutsche

Die Ordner zeigen sich allerdings wenig beeindruckt von meinem wissenschaftlichen Durchbruch und verbieten mir einen weitere, genauere Beweisführung. Ich bin allerdings überzeugt davon dass es sich hier um einem Inka-Freizeitpark handelt. Gut das ich hier war! Beflügelt von soviel Entdeckertum buche ich gleich für den nächsten Tag eine Tour durch das Urumbaba Tal. In diesem Tal haben die Inkas eine ganze Vielzahl an Stätten verteilt. Mal sehen was es hier alles zu entdecken gibt.

Am nächsten Morgen geht es mit dem Bus auf ins Urumbaba Tal oder besser gesagt is Valle Sagrado de los Incas. Dieses Tal diente den Inkas als wichtigstes Produktionszentrum für landwirtschafltliche Güter wie Quinoa, Kartoffeln und Mais. Auch heute noch werden die geschickt errichteten Terrassen für den selben Zweck von den lokalen Bauern genutzt. Die erste Station sind allerdings nicht irgendwelche maisüberquellenden Ruinen sondern ein überdachter Markt im Nirgendwo. Statt Landwirtschaft gibts Marktwirtschaft. Hier darf der unbedarfte Tourist glauben er tue der ortsansässigen Gemeinschaft etwas Gutes. Unser Guide verschwendet keine Zeit und weißt daher auch mehrfach darauf hin dass ja Weihnachten vor der Tür steht und die Preise ohnehin so fantastisch sind, dass man nicht mal verhandeln muß. Is klar. Ich genieße diese 20 Minütige Zwangspause in der Sonne und Lausche den Klängen von Anti-Flag und Konsorten. Bepackt mit Tüten voller unkonsumierbarem Quatsch und sichtlich fröhlich ob ihrer guten Taten besteigen alle wieder den Bus und es geht nun endlich auf zu unserer ersten Station, Pisac.

Urubamba Tal, bei den Touris besser als Sacred Valley bekannt.

Urubamba Tal, bei den Touris besser als Sacred Valley bekannt.

Pisac ist nicht nur ein von Touristen überlaufenes Dörfchen, sondern auch der Name einer alten Felsenfestung der Inkas. Die Kartoffeln müssen ja schließlich auch bewacht werden. Und die wuchsen hier auf über 7000 Terrassen die sich graziel an den Felsen schmiegen. Unser Guide führt unsere spanisch und englisch sprechenden Reisegruppe an und mahnt zur Eile, bevor die Toruistenmassen über Pisac herfallen. 20 Metter weiter scheint die eigene Mahnung allerdings vergessen und er verliert sich in einem stolperigen Monolog zu den geschichtlichen Ereignissen rund um diesen Platz.

Kartoffelüberwachungsanlage

Kartoffelüberwachungsanlage

Kuschelterrassen

Kuschelterrassen

Nach einer 15 minütigen Erklärung wechselt er ins Spanische. Da ich nun über alle Informationen, die ich für relevant halte, verfüge, mache ich mich auf den Weg in Richtung Ruinen. Den der Guide hatte recht immer mehr Menschen strömen durch den schmalen Einlaß. Losgelöst von der Gruppe lasse ich den Blick über die Ruinen schweifen. Es ist alles erstaunlich gut erhalten. Ich habe noch ein leichtes Echo vom letzten englischen Satz des Guides im Ohr. Man könne auch bis ganz oben steigen wenn man denn die Lust dazu verspüre. Und angesichts der immer größer werdenden Ansammlung von Pauschaltouristen, verspüre ich ne Menge Lust. Eine halbe Stunde später habe ich den höchsten erreichbaren Punkt erklommen und genieße die formidable Aussicht auf Mais, Kartoffeln und die übrigbleibsel einer bedeutenden Zivilisation.

Der Aussicht auf dem Fuße.

Der Aussicht auf dem Fuße.

Mal wieder auf die Spitze getrieben.

Mal wieder auf die Spitze getrieben.

Ich habe zwar keine Ahnung wann wir uns wieder am Bus treffen sollen, und wähle einen in der Zukunft liegenden Zeitpunkt an den ich mich mit den mir zur Verfügung stehenden Fakten annähere. Dabei spielen eine hell orange Jacke und eine leuchtend blaue Mütze eine entscheidente Rolle. Asymptotengleich treffe ich rechtzeitig am Bus ein um zum Mittagessen gefahren zu werden. Das Restaurant ist ganz nett, das Essen furchtbar und wir verbringen zum Glück nicht mehr Zeit als notwendig in diesem Etablisement. Der nächste Halt ist Ollantaytambo.

Ollantaytambo ist ein kleines Dorf am Ende des Urumbamba Tals und bildete somit auch das Tor zum Dschungel und dem Amazonas. Hier leben ca. 2500 Menschen in teilweise noch alten Inkahäusern. Genauer gesagt besteht die Stadt zu ca. 30% aus alten Inkabauten und das Dorfzentrum hat sich mit seinen schmalen Gassen die von den Inkas angelegte Struktur bewahrt. Hier gelang es sogar den Inkas die Spanier kurzeitig in die Schranken zu weisen. Allerdings kamen diese wenig später mit der fünffachen Mannstärke zurück und übernahmen auch diese Stadt im Namen Spaniens.

Inkadorf Ollanty, wie wir Insider es nennen.

Inkadorf Ollanty, wie wir Insider es nennen.

Das Gesicht im Felsen wurde früher im selben Maße wie bei uns Jesus verehrt.

Dem Gesicht im Felsen wiederfuhr früher jesusgleiche Verehrung.

Auch hier gilt es wieder gazellengleich die Terassen zu besteigen und die oben auf dem Berg angesiedelten Ruinen inkl. dem obligatorischen Sonnen- und Mondtempel zu besichtigen. Als es schon zu dämmern beginnt machen wir uns auf den Weg nach Chinchero. Und wer hätte es gedacht auch hier gibt es ganz tolle Terrassen zu besichtigen und Handwerkskunst zu erstehen. Die Dunkelheit rettet uns vor den höchst motivierten peruanischen Muttis in ihren Trachten die unbedingt noch mindestens einen Schal und zwei Pullis an den Mann bringen wollen, und wir machen uns auf den Heimweg.

Während der Fahrt zurück nach Cusco geistert mir unaufhörlich Ollantaytambo durch den Kopf. Ein kurzer Blick auf meine Mails, offenbart einen Kontakt den mir Dina geschickt hat. Und dieser befindet sich in Ollantaytambo. Hervorragend. Ich erkläre Ollantaytambo zu meinem nächsten Ziel und verpreche mir in den nächsten Tagen den Namen meiner kommenden Destination auswendig zu lernen. Ollantaytambo. Ollantaytambo. Ollantaytambo.

Euer InkaPhil

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1 Response

  1. Mia Liebl sagt:

    Bin dabei…schnell weiter lesen…

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