Stöpsel zu verkaufen – Mission accomplished

Mission von m333: „auf dem Titicaca-See den Bewohnern der schwimmenden Inseln Badewannenstöpsel verkaufen“

Das ist mit Abstand die albernste Mission die mir bisher gestellt wurde und verfügt über eine Schwierigkeit die sich erst im Detail zeigt. Der Badewannenstöpsel als solches. Für uns eine Selbstverständlichkeit, in Lateinamerika gänzlich unbekannt. Bereits in Costa Rica hab ich mich in Vorbereitung auf diese Mission auf die Suche nach einem adequaten Verkaufsobjekt begeben. In Panama hab ich diese Suche fortgesetzt und bin in Lima ebenso wenig fündig geworden wie in der Albrook Mall. Erst in Huacachina in meiner doch durchaus noblen Unterkunft entdeckte einen Badewannenstöpsel im Waschbecken meines Badezimmers. Ein in die Jahre gekommener weißer, mit schwarzen Schlieren bedeckter Stöpsel. Jetzt hatte ich zwei Möglichkeiten. Vorne an der Rezeption ein interesantes Gespräch über den Erwerb dieses Stöpsels zu führen oder hoffen das der Stöpsel auch mal was von der Welt sehen will und sich breitschlagen lässt mit mir auf die Reise zu gehen. Ich entschied mich für das Gespräch mit dem Stöpsel. Eine ganze Nacht saßen wir zusammen im Kerzenschein und ich legte dem Stöpsel die Vorteile einer Reise mir mir zum Titicacasee auseinander. Es sollte aber immer seine Entscheidung sein und bei meiner Abreise freute ich mich sehr, als er abenteuerlustig in meinen Rucksack sprang und sich mit mir auf die Reise machte.

Damit war ein ganz entscheidender Teil der Mission erfüllt. Ich hatte einen Badewannenstöpsel. Die nächsten Wochen verbrachte er friedlich in meinem Gepäck. Nur ein mal hab ich ihn herausgenommen um seinem Antlitz ein wenig mehr Glanz zu verleihen. Doch die Spuren der Jahre haben sich dermaßen festgesetzt, dass meine Verjüngungskur kaum Wirkung zeigte. Dann musste ich ihn eben verkaufen als das was er war. Ein in die Jahre gekommener gebrauchter Badewannenstöpsel. Das macht die Sache sicher nicht einfacher.

Ich hatte nur eine Chance diese Mission erfolgreich zu bestehen. Noch in Puno im Hotel, arbeitet ich eine exzellente Marketingstrategie aus. Zudem beschloß ich den Stöpsel zu einem unschlagbaren Preis anzubieten. Zusammen mit meinem Verkaufststand, bestehend aus einem in der Mitte gefalteten Blatt Papier, mache ich mich auf den Weg zu den schwimmenden Inseln.

Dort angekommen wartete ich auf den richtigen Augenblick und baute während der Vorführung wie denn nun so eine Insel gebaut wird, mit meinen potenziellen Käufern per Blickkontakt bereits einen Beziehung auf. Und als dann eine wenig Ruhe einkehrte und die Einheimischen anfingen an ihren professionellen Ständen ihre Ware feil zu bieten, war meine Stunde gekommen. Ich suchte mir einen Platz etwas abseits des Trubels und platzierte das Objekt der baldigen Begierde und mein Schild direkt vor mir im Schilf. Auf dem Schild stand in großen freundlichen Buchstaben „Offerta, solo hoy, 1 S.“.

Die richtige Präsentation ist ungeheuer wichtig.

Die richtige Präsentation ist ungeheuer wichtig.

Kernige Sprüche, ein klasse Preis, das musste einfach funktionieren. Die Größe der Insel und ihre isolierte Lage im Titicaca See trieben die potenzielen Kunden in einem steten Strom an meinem Verkaufsstand vorbei. Klar, wo sollten sie denn auch hin.

Es war an der Zeit zu handeln, mit dem Einsatz meiner Stimme und einigen wenigen Brocken Spanisch umwarb ich den Stöpsel als ein Wunder modernster Technik. Perfekt in Anmutung und Funktion. Und das zeigte Wirkung. Ein Uro-Mann, nahm den Stöpsel in seine Hand und drehte ihn verwundert hin und her. Mir wurde klar, dass hier bei den Uros und im Besonderen auf dieser Schilfinsel noch nie jemand einen Badewannenstöpsel gesehen hat. Der Mann stellte gestikulierend fest, dass es sich um einen Saugnapf für die Wand handeln müsse. Ich korrigierte ihn gestikulierend und machet ihm den eigentlichen Daseinszweck dieses fabelhaften Stöpsels deutlich. Unsere gestenreiche Konversation hat seine Frau angezogen. Interessiert nahm sie ihm den Stöpsel aus der Hand. Er erklärte ihr den Sinn und Zweck und ich sah meinen Chance gekommen. Zusammen mit meinem Schild redete ich auf sie eine, Sprachbarrieren wurden niedergerissen, kulturelle Differenzen beiseite geschoben.

Das Verkaufsgespräch ist in vollem Gange

Das Verkaufsgespräch ist in vollem Gange

 

Meine Marketingstrategie funktioniert. Das Bedürfniss ist geweckt.

Meine Marketingstrategie funktioniert. Das Bedürfnis ist geweckt.

Und nach einigen Minuten hatte ich sie soweit. Sie hielt den Stöpsel fest umklammert in ihrer linken Hand. Ein deutliches Zeichen, sie wollte ihn behalten. Die nächste Minute, fast dem Sieg schon nahe, beschränkte sich das Gespräch auf den simplen Fakt das der Stöpsel doch ein Geschenk ist. Geschenkt, auf keinen Fall. Der Stöpsel musste verkauft werden. Ich ging ein hohes Risiko ein, als ich ihr erklärte das so daraus nichts wird und ich den Stöpsel lieber auf einer anderen Insel verkaufen werde.

Geschenkt?

Geschenkt?

Bange Sekunden lang, drehte sie dieses kleine schmuddelige Stöpselein in ihrer Hand. Auch wenn sie immer noch nicht so richtig wußte was genau sie da in der Hand hielt, sie wollte es haben. Und als ich fast schon aufgeben wollte, zuckte Sie einen Soles unter ihrem Rock hervor und der Deal war perfekt.

Der Deal ist perfekt!

Der Deal ist perfekt!

Ich kann es immer noch nicht glauben, aber ich habe soeben einem Uro auf seiner Insel einen gebrauchten Badewannenstöpsel verkauft. Mission accomplished! Wo immer du auch sein magst lieber Stöpsel ich hoffe dir geht es gut und du führst ein interessantes, zweites Leben.

Euer TravelingSalesmanPhil

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3 Responses

  1. Mark sagt:

    Hahaha Sales in Perfektion!
    Die Geschichte wäre der perfekte Einstieg für einen Marketingvortrag

  2. Mia Liebl sagt:

    Herzlichsten Glückwunsch….,habe herzlich gelacht….

  3. Nico sagt:

    Du und deine NLP-Fähigkeiten… Wenigstens haben sie dir dieses Mal geholfen 😉

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