Der Flug des Condor – Mission accomplished

Der Kondor ist mit seiner Flügespannweite von über drei Metern der größte Raubvogel der Welt. Er wird bis zu 1,60m lang und über 12 kg schwer. Leider bleibt den meisten Reisenden einen Begenung mit diesem Riesen der Anden versagt. Zum einen weil der Kondor sich bei der Nahrungssuche von Aufwinden in Höhen von bis 8000m tragen lässt, zum anderen weil dieser König der Lüfte vom Aussterben bedroht ist. Er wird von den Bauern leider als Viehdieb erbamunglslos gejagt. Und das Fangen eines Kondors ist viel einfacher als man meinen möchte. Der Kondor kann bis zu 40 Tage ohne Nahrung auskommen und verliert in dieser Zeit kaum an Kraft und Ausdauer. Hat er aber was Essbares gefunden, neigt er dazu sich dermaßen vollzustopfen, dass er anschließend nur noch mit Mühe abheben kann. Das machen sich die Bauern zu nutze und werfen ihm einfach einen Poncho über und binden die Beine zusammen. Und schwups hat man einen Kondor gefangen.

Ein guter Platz um einen Kondor in freier Wildbahn zu beaobachten ist der Colca Canyon. In diesem, mit 3400m, zweit tiefsten Canyon der Welt leben noch ca.50 Tiere. Diese verteilen sich allerdings auf die gesamte Länge des Canyons von über 140km. So das es selbst an diesem Ort viel Glück bedarf um einen Kondor zu Gesicht zu bekommen. Dennoch muß ich diese Gelegenheit nutzen, besagt doch eine Mission von m333: „auf einem Condor vom Colca Canyon durch die Lüfte zu den mysteriösen Linien von Nazca reiten“.

Colca Canyon, tiefer als der Grand Canyon.

Colca Canyon, tiefer als der Grand Canyon.

Prinzipiel versuche ich immer mein Möglichstes um die mir gestellten Missionen zu erfüllen. Bei dieser hab ich so meine Zweifel ob mir das gelingt. Sind es doch ca. 650km Luftline vom Colca Canyon nach Nazca und zum anderen ist es ja wie schon erwähnt gar nicht so einfach einen Kondor aufzutreiben. Zudem habe ich selbts nach tagelanger Recherche keine Möglichkeit gefunden mit einem Gleitschirm hier zusammen mit einem Kondor zu fliegen, was dem Reiten am nähesten kommen würde.
Ich beschränke mich daher erstmal auf das Sichten eines Kondors und hoffe der Missionsersteller möge mir diese etwas freiere Interpretation der Mission verzeihen.

Der Colca Canyon ist eines der beliebtesten Ausflugziele von Arequipa aus und so ist eine 2 tägige Tour schnell gefunden und gebucht. Der Bus des Veranstalters ist pünktlich um 0600 Uhr früh zur Stelle um mich, mental immernoch in Embrionalstellung verharrend, abzuholen. Der Tourverlauf ist wie folgt angedacht. Den ersten Tag fahren wir bis zu einem kleinen Dorf namens Chivay welches im Canyon gelegen ist und erreichen dabei Höhen von knapp 5000m. Chivay selbst liegt auf rund 3600m. Am zweiten Tag geht es dann in in aller Frühe hinauf zum Condors Crossing wo sich dann mit etwas Glück vielleicht ein Kondor blicken lässt. Und der weibliche Tourguide lässt keinen Zweifel daran, dass dieser Plan auch genau so eingehalten wird. Der erste Stop ist allerdings ca. 30 Minuten nach Abfahrt an einem kleinen Laden am Rande der Stadt. Hier hat man die Möglichkeit sich mit dem bewährten einheimischen Mittel gegen Höhenkrankheit auszustatten. Cocablätter. Die gibt es natürlich als Blatt zum kauen, als Schokolade, als Bonbon und als Tee. Unser Guide empfiehlt uns dringend ein, zwei Beutel Blätter immer dabei zu haben, denn mit der Höhe und der damit verbundenen Höhenkrankheit ist nicht zu Spaßen. Niemand widerspricht ihm. Und was soll ich sagen, die Blätter schmecken füchterlich bitter. Der Tee ist das schon ein bischen besser, hier kann man wenigstens prima Zucker reinkippen. Stunde um Stunde arbeitet sich der Bus und die cocablattkauende Reisegruppe die Berge hinauf. Unterwegs halten wir ein paar Mal um wilde Lamas und Alpacas zu beobachten und um uns mit weiterem Cocatee zu stärken. Der Guide empfiehlt das.

IMG_4942

Alpacas, die Andenkamele, nützlich und lecker.

Dieses Opfer der Höhenkrankheit möchte unerkannt bleiben.

Dieses noch extrem junge Opfer möchte verständlicher Weise unerkannt bleiben.

4910m

4910m, im Hintergrund sieht man einen aktiven Vulkan.

Und als wir dann auf 4910m für eine 20 Minütige Pause halt machen, bleibt mir der Atem weg. Und das meine ich wortwörtlich. Die Luft ist hier superknapp und schon wenige Schritte in die Pampa lassen das Herz immer schneller schlagen und die Lunge nach Luft japsen. Und obwohl ich bereits in Arequipa einige Tage auf 2500m verbracht habe, bin ich überrrascht wie sehr mir die Höhe zu schaffen macht. Ich bekomme eine Vorstellung davon welche Leistung Bergsteigern in solchen Höhen und mehr abverlangt werden und immer stärker werdendes Kopfweh. Das lässt zwar etwas nach als wir in Chivay eintreffen, dennoch spüre ich die Höhe deutlich. Der Magen streikt und der Kopf brummt. Langsamen Schrittes erkunde ich das Dorf.

Lamagängerzone

Lamagängerzone

IMAG1323

Ein traditioneller Tänzer. Auf dem Schild steht, dass es sich um einen lustigen und humorvollen Gesellen handelt.

Mein erster Halt gilt einem Kaffeladen am Hauptplatz wo ich mich mit Koffein wieder ein wenig in Form putsche. Die Cocablätter machen irgendwie unglaublich Müde, das ist Kaffe schon besser. So gestärkt schlendere ich ein wenig im Dorf rum, besuche den Marktplatz und entscheide mich für einen spontanen Friseurbesuch. Vielleicht hilft es ja wenn ich ein wenig mehr frische Luft an mein Haupt lasse.

Chivay, 3500m, die Frisur sitzt.

Chivay, 3600m, die Frisur sitzt.

Als in den Abendstunden die Sonne untergeht, fange ich an das frisch geschorene Haupthaar zu bereuen. Die Temperaturen befinden sich im freien Fall und näheren sich rapid dem Gefrierpunkt. Und weil die aktuelle Situation bestimmt durch Kopfweh, Übelkeit und Kälte noch nicht schauerig genug ist, findet das Abendessen in einem Touristennepp-Restaurant statt, wo eine hochmotivierte peruanische Band, wie man sie bei uns von den Weihnachtsmärkten kennt, zwei Tänzer musikalisch begleitet. Im Vergleich zum Essen und den Tänzern ist die Band allerdings noch das Beste und ich kann nicht umhin ihr zweites Album käuflich zu erstehen und umgehe somit indirekt die Spende an die Tänzer und die Band. Und ja „El Condor Pasa“ ist auch auf dem Album.
Die Nacht verbringe ich frierend eingepfercht zwischen fünf Lagen Decken, Heizungen kennt man hier nicht, und bin froh um sechs Uhr früh wieder die wärmende Sonne auf meiner Haut zu spüren, nachdem die Dusche sich erfolgreich gegen die Ausgabe von warmen Wasser gewehrt hat.
Wir brechen sofort auf.  Der Kondor als solches beginnt seinen Aufstieg in über 8000km Höhe sehr früh und lässt man sich zuviel Zeit sinken die Chancen auf eine Sichtung analog zu den Temperaturen, gen Null.

Inka-Spider-Superpower-Mashup-Man

Inka-Spider-Superpower-Mashup-Man mit seinem Sidekick Mighty

Als wir unterwegs halt machen um einem kleinen Dorf durch den Tauschhandel von Geld gegen Touriramsch finanziell auf die Sprünge zu helfen, werde ich langsam nervös. Ich brauche keinen Ramsch, ich will Kondor. Als wenig später dann auch noch eine Baustelle unsere Fahrt um weitere 30 Minuten verzögert, gebe ich die Hoffnung auf.
Der Hauptbeobachtungspunkt „Condor Crossing“ ist bei unserer Annkunft bereits überfüllt und unser Kleinbus findet keine Parkmöglichkeit mehr, so dass wir gezwungen sind auf den nächsten Auszuweichen. Hier ist deutlich weniger los. Kaum aus dem Bus ensteht geschäftiges Treiben. Ein Kondor wurde gesichtet. Und nach nicht mal 3 Minuten vor Ort erlebe ich die erste Begegnung mit einem Kondor. In einigen hundert Metern Entfernung zieht er seine Kreise und schwebt ohne einen einzigen Flügeschlag immer höher.

IMG_5018

Was in den folgenden Minuten passiert, haben die loaklen Guides auch noch nicht erlebt. Ein Kondor nach dem anderen findet sich ein. Und so kreisen bereits nach 20 Minuten über 9 Kondore über unseren Köpfen und zu unseren Füßen. Einer fliegt sogar auf Augenhöhe nur einige Meter entfernt an uns vorbei. Yeah! Näher kann man einem Ritt auf einem Kondor nicht kommen. Und zu guter Letzt verschwindet auch das Kopfweh, die Höhe beginnt mich zu mögen. Mission accomplished!

 

Euer AltitudePhil

GOPR0987

You may also like...

2 Responses

  1. Mia Liebl sagt:

    SUUUPERschön !! Ich kann deine nächste Berichte kaum abwarten!!!Meine Mission : gesund und gut gelaunt bleiben!!!
    P.S. wenn ich deine peruanische Handynummer wähle ist es besetzt.
    Pac&Pusu Mom

    • Chaos sagt:

      Freut mich das es dir gefällt. Und das mit dem Telefon ist wohl so, ist ja auch eine peruanische Nummer, da kanns auch mal etwas länger dauern bis was passiert :)

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *